Hilfsprojekte in Ecuador: Reisebericht
Das Rauschen der Wellen durchdringt die Dunkelheit, die sich um Dich gelegt hat. Vorsichtig tastest Du mit Deinen Händen tiefer in den Sand. Schließlich kannst Du die kleinen Schildkröteneier fühlen und gräbst sie behutsam aus, um sie an einen sicheren Strandabschnitt zu bringen. Ein paar Wochen später krabbeln viele kleine Schildkröten durch den Sand Richtung Meer. Überwältigt von dem Anblick lächelt ihr Volontäre euch an. Dank eures Einsatzes haben es wieder ein paar Schildkröten sicher ins Meer geschafft.
Philipp Lachner

- Alter: 24
- Reiseziel: Costa Rica
- Heimatort: n.a.
Dein schönstes Erlebnis?
Von EINEM schönsten Erlebnis kann eigentlich nicht die Rede sein. Die ganze Reise war ein voller Erfolg!
Mein Reisebericht:
Costa Rica.
Zunächst nur der Name eines weit entfernten, völlig unbekannten Landes. Mit TravelWorks dufte ich dann tatsächlich 3 unvergleichlich schöne Monate in diesem wunderschönen Land verbringen.
Schon als ich mich das erste Mal über Costa Rica informierte kam mir das Land wie ein Traum vor. Doch als ich dann tatsächlich am 23.9.2007 das Flugzeug in der Hauptstadt San José verließ, wurde dieser Traum Wirklichkeit und die wahrscheinlich schönsten und aufregendsten 12 Wochen meines Lebens begannen.
Leider bestanden meine Spanischkenntnisse zu diesem Zeitpunkt aus nicht mehr als einem zaghaften „Hola“ und „Cómo está“. Dies änderte sich während des ersten Monats in der Sprachschule in San Pedro (ein Stadtteil San Josés) jedoch rapide. Durch die sehr kleinen Klassen (1 bis maximal 6 Personen), die kompetenten und sehr freundlichen Lehrer und das ungezwungene Lernen war es bald möglich, mit den Ticos direkt in Kontakt zu treten. Ganz automatisch lernte ich während dieser Schulzeit viele andere Studenten kennen und knüpft so die ersten Kontakte in der Fremde. Mit diesen unternahm ich dann an den schulfreien Wochenenden Touren, die meist direkt über die Sprachschule gebucht und geplant wurden. Auf diesen Trips konnte ich den ersten kleinen Einblick in dieses Paradies gewinnen – und ich war überwältigt. Noch nie zuvor sah ich eine so gigantische Vielfalt an Flora und Fauna. Einfach unglaublich.
Dieser Eindruck verstärkte sich dann während der nächsten 4 Wochen noch, die ich in La Tortuga Feliz - wie der Name schon verrät, ein Schildkrötenprojekt - und Cabo Blanco, dem ältesten Nationalpark Costa Ricas verbrachte. In beiden wohnte ich mit den anderen Volunteers in kleinen Unterkünften am Rand des Waldes, so dass ich jeden Abend sowohl mit dem lauten Gebrüll der Brüllaffen als auch dem Rauschen der Wellen einschlafen durfte. Auch die Arbeit, die meist mit den sehr freundlichen Rangern verrichtet wurde, machte sehr viel Spass, sei es das Bewachen der Schildkrötennester, um diese nach dem Schlüpfen dann untersuchen, vermessen und freilassen zu können, das Säubern der wunderschönen, vom Menschen scheinbar unberührten Strände (entspricht etwa 1 Stunde säubern und 5 Stunden baden und sonnen ;)) oder das Verbessern der Trails durch den Dschungel – natürlich unter den wachsamen Augen der zahlreichen Affen und Ameisenbären in den Baumkronen. Eine Freiwilligenarbeit in Nationalparks oder den diversen Schildkrötenprojekten kann ich nur wärmstens empfehlen – wirklich eine unvergleichbare Erfahrung.
Um nun auch noch den letzten Rest Costa Ricas zu erkunden, legte ich nach diesen 2, mit TravelWorks gebuchten Monaten, noch 1 Monat selbstorganisiertes Reisen ein. Sobald man das ein wenig verwirrend bis planlose Bussystem durchschaut hat (oft wissen beispielsweise nur die Ortsansässigen, zu welchen Zeiten die Busse abfahren ...) und man sich ein wenig in Geduld geübt hat (meine längste Wartezeit auf einen Bus betrug immerhin 5,5 Stunden, während derer ich mitten im Urwald an einer Bushaltestelle ausharren musste, da ich den letzten Bus um 10 Minuten verpasst hatte ...), dann ist das Reisen kein Problem mehr. Außerdem kann man so in die entlegensten Winkel vordringen, in die Touristen aufgrund mangelnder Infrastruktur nur selten kommen. Es ist auch sehr einfach, mit den Leuten vor Ort in Kontakt zu treten, sei es nun in einem der vielen familiären Hostels oder beim Essen in einem soda, da die Costarikaner alle sehr offene und freundliche Menschen sind, die sich immer über ein Gespräch freuen, vor allem wenn sie dadurch auch noch etwas über das aus Ihrer Sicht so unfassbar weit entfernte Deutschland erfahren können. So kam es nicht selten vor, dass mich meine Gastgeber nur ungern wieder weiterziehen ließen; und ab und zu gab ich auch nach und verweilte doch ein paar Tage länger an einem Ort als geplant. Aber genau das ist das Tolle am Backpacken: man ist vollkommen unabhängig und kann sich je nach Lust und Laune entscheiden.
Doch alles geht irgendwann vorbei und so musste auch ich mich am 22. Dezember von diesem wunderschönen Land trennen. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich mich für diesen Schritt entschieden habe, Costa Rica zu besichtigen. Alles in Allem wohl die 3 schönsten Monate meines Lebens!!!
Zuletzt möchte ich noch ein Thema anschneiden, das zwar oft verschwiegen oder unter den Tisch gekehrt wird, jedoch zu einer Reise in ein solches Land genau so gehört wie die natürlich vielfach überwiegenden schönen Erlebnisse: Tourismus und dessen negative Auswirkungen.
Leider hat auch dieses Paradies schwer mit dem Tourismus zu kämpfen: die touristische Erschließung des Landes schreitet sehr schnell voran, so dass ich es höchstwahrscheinlich nie mehr so wiederfinden werde, wie ich es mit eigenen Augen sehen durfte. Für die Einheimischen sind die Touris zwar eine gute und relativ sichere Einnahmequelle, für die Natur und auch die Backpacker wie auch ich einer war jedoch oft unerträglich. Besonders markant sieht man diese Veränderung auf der Pazifikseite der Insel Nicoya: hier sind die Preise für eine Übernachtung in einem Jahr teilweise von 5$ auf 50$ angestiegen und die Strände sind von riesigen Hotelbauten gesäumt, so dass vom eigentlichen Urwald oft nichts mehr zu sehen ist! Eine weitere sehr unangenehme Entwicklung, die der Tourismus mit sich bring, ist die stark ansteigende Kriminalitätsrate. Diese sollte jedoch (noch!?) kein Grund sein, eine Reise nach Lateinamerika zu canceln. Solange man seine teure Spiegelreflexkamera zu hause lässt, seine restlichen Wertsachen nicht all zu offen trägt und sich schon vor Antritt der Reise mit diesem Thema beschäftigt, ist man auf der sicheren Seite und der Reise steht nichts mehr im Weg. Dies gilt alles nicht nur für Costa Rica, sondern für Entwicklungs- oder Schwellenländer im Allgemeinen. Es liegt an jedem EINZELNEN (!) und dessen Verhalten, wie sich ein solches Land in Zukunft entwickeln wird.
Ich kann nur jedem empfehlen, nutzt die Gelegenheit falls sich Euch eine bietet, so schnell wie möglich und schaut Euch dieses Land an!








