Hilfsprojekte in Jaipur: Reisebericht
Auf dem Weg zu Deiner letzten Unterrichtsstunde mit den indischen Frauen gehst Du durch die staubigen Straßen von Jaipur. Wieder einmal ziehen Dich die märchenhaften Paläste in den Bann, die im Sonnenlicht rosa leuchten. Nicht umsonst wird die Stadt "Pink City" gennant! Schade, dass Dein Aufenthalt hier schon bald vorbei ist. Fast wehmütig erinnerst Du Dich noch gut an die ersten, überwältigenden Tage. Was Du in der Zwischenzeit alles erlebt hast!
Claudia Ludescher

- Alter: 29
- Reiseziel: Jaipur (Indien)
- Heimatort: Feldkirch
Dein Statement?
Noch nie habe ich in kurzer Zeit so viel gesehen und erlebt.
Mein Reisebericht:
Früh morgens in Delhi angekommen, wurde ich gleich von Manoj, einem Betreuer von Idex, am Flughafen abgeholt und mit einer anderen Volontärin die ich am Flughafen kennen gelernt habe, zum Hotel gebracht. Dort lernten wir gleich noch einen anderen Volontär kennen mit dem wir uns dann gleich aufgemacht haben, um Delhi zu erkunden. (Um wieder zurückzufinden, unbedingt die Adresse des Hotels mitnehmen!)
Gleich um die Ecke des Hotels befindet sich ein kilometerlanger Markt, den man gemütlich zu Fuß erkunden kann. Um das berühmte Red Fort zu besichtigen, haben wir eine Rikscha genommen und sind nach ca. 15 Minuten dort angekommen. Der Fahrstil der Inder ist mehr als gewöhnungsbedürftig aber Angst muss man keine haben, es wird so viel gehupt, dass man kaum überhört wird.
Delhi ist wirklich eine unglaubliche Stadt und man braucht nicht unbedingt Sehenswürdigkeiten um etwas besonderes zu sehen, alleine schon der Verkehr, die Märkte und vor allem die Inder selbst bieten einem schon mehr als genug Erlebnis.
Am nächsten Tag sind wir ziemlich früh mit dem Bus nach Jaipur gefahren, wo wir in das Idex Hauptcamp gebracht wurden. Dort lernten wir auch noch alle restlichen Teilnehmer kennen und bekamen gleich einen einstündigen Hindikurs. Während der nächsten Tage lernten wir noch einiges über das Kastensystem in Indien, die Religion und die Arbeit im Camp. Am Abend wurden wir zu unserer Hostfamily gebracht, wo wir zu zweit in einem Zimmer untergebracht wurden. Unsere Hostkinder haben gleich ein paar Runden „Uno“ mit uns gespielt und zeigten uns dann noch neben einem speziellen indischem Spiel bis zu unserer Abreise wie man indisch tanzt, richtig handelt und den berühmten indischen Chaitea kocht. Apropos, unsere Hostmum hat uns jeden Abend sehr lecker bekocht und wir mussten mehr als einmal kapitulieren, weil es so gut war und wir so oft nachgeschöpft bekamen, obwohl wir schon lange nicht mehr konnten.
Schließlich möchte man ja auch nicht unhöflich sein. ;-)
Das Essen ist zum Teil relativ scharf, allerdings wird im Camp und in den Hostfamilien weniger scharf gekocht um den europäischen Geschmack zu treffen. Sollte man mal in ein Restaurant gehen, immer „not spicy“ dazu sagen, ansonsten ist ein sonst leckeres Gericht oft mal fast ungenießbar scharf.
Während unserer Tage in Jaipur sind wir unter anderem zum Amber Fort gefahren, wo wir auf Elefanten reiten durften, tausende Fledermäuse sahen, unglaubliche Bauten, Fakire mit Schlangen, einen tollen Bollywood Film u.v.m.
Besonders schön ist die Innenstadt von Jaipur, die Pink City, die durch den rosaroten Anstrich der Häuser einen besonderen Flair bekommt. Dort kann man sich auch schon eine schöne Tunika schneidern lassen, die Auswahl der Stoffe und Vielfalt der Farben ist wirklich unglaublich.
Nach einigen Tagen hat man sich dann auch schon ein wenig an die Inder gewöhnt die einen unentwegt anstarren und mit dem Finger auf einen zeigen und tuscheln, was man aber auf keinen Fall als unhöflich ansehen darf, für die Inder ist man sofort wenn man eine hellere Hautfarbe hat aus dem Westen und somit sehr offen und vor allem reich. Was auch stimmt, wenn wir in Indien sind, da alles einfach lächerlich günstig ist. Trotzdem sollte man nie auf das handeln vergessen, da man sonst als schwach angesehen wird. Um die Vorurteile der Freizügigkeit von Europäern entgegen zu wirken, sollten man (besonders Frauen) darauf achten, nicht zu tief ausgeschnittenes zu tragen, die Schultern zu bedecken und Hosen und Röcke zu tragen die über die Knie gehen.
Nach 4 Tagen voller neuer Eindrücke, verabschiedeten wir uns von unserer Hostfamily und sind mit dem Bus zurück nach Delhi und von dort aus mit dem Nachtzug nach Himachal Pradesh und dann nochmal 4 Stunden bis zum Volontärscamp gefahren. Dort wurden wir vom Idex Staff freundlich empfangen und gleich auf einen Chaitea eingeladen und in die üblichen Sitten und Bräuche der Inder eingeführt.
Geschlafen haben wir die nächsten Wochen in 4-6 Bett Zimmern. Für jedes Stockwerk gab es ein Bad, geduscht und die Wäsche gewaschen haben wir mit einem großen Kübel, welcher im Bad hing. Sehr froh war ich über das warme Wasser und die "Western-Style" Toiletten, welche in Indien eigentlich nicht üblich sind. Dank meiner tollen Zimmerkameraden hatte ich richtig viel Spaß und auch wenn wir ab und zu kleine Mitbewohner hatten in Form von Insekten (auf alle Fälle ein Moskitonetz mitnehmen, obwohl es im Norden nicht so viele gibt und das Malaria Risiko kaum vorhanden ist, ist man ab und zu ganz froh darüber), haben wir das Beste daraus gemacht, denn schließlich gehört das einfach zum "Indien way of live" und wir sahen es dann auch so.
Es gab jeden Tag, auch am Wochenende, Frühstück, Mittagessen und Abendessen in Form eines Buffets, die Transfers zwischen den Städten und Einsatzorten waren alle gut organisiert.
Im Camp gibt es einen Fernseher mit DVD Player und zwei Computer mit Internet Anschlüssen, leider ist die Verbindung ziemlich langsam, aber in Indien nimmt man eben alles „totally relaxt“
An Nachmittagen kann man gemütlich für 3 Rupees (4 Cent) in die Stadt fahren und ein wenig shoppen, am Wochenende ist entweder ein Ausflug im Projektpreis enthalten (Himalaya Trekking oder Amritsar) oder man fährt in das nahegelegene (ca. 2 Stunden im öffentlichen Bus) Dharamsala und McLeod Ganj, welches das zu Hause des Dalai Lama ist und eine kleine Hochburg für Tibeter und Tibetfans.
Am Montag nach unserer Ankunft in Palampur wurden die verschiedenen Projekte angefahren, wo wir überall einen kleinen Einblick in die dortige Volontärsarbeit bekamen. Am Abend konnte man sich dann für ein Projekt entscheiden und die meisten würden dann auch in den gewünschten Einsatzort eingeteilt.
Ich habe vormittags in einer Grundschule gearbeitet in der ich mit einer anderen Volontärin die erste und zweite Klasse in Englisch und Mathe unterrichtet habe und am Nachmittag habe ich in einer Computerklasse für Mädchen unterrichtet.
Das unterrichten in der Schule hat großen Spaß gemacht, auch wenn man sich am Anfang ganz schön überfordert fühlt. Das Wichtigste ist, dass man versucht den Kleinen die Sachen so spielerisch wie möglich beizubringen. Wir haben sehr viel gebastelt, Plakate gezeichnet, Spiele gemacht und gesungen. Farben, Papier und jede Menge Bücher bekommt man vom Camp gestellt, es ist aber trotzdem eine gute Idee zu Hause bereits ein Buch für den Englisch Unterricht zu kaufen, aus dem man sich Ideen nehmen kann und in dem vor allem auch einige englische Kinderlieder sind.
(Guter Tipp: ein Instrument wie z.B.: eine Flöte oder eine Trommel und/oder eine Handpuppe kommen sehr gut an und erleichtern das unterrichten)
Tagsüber hat man immer relativ viel Zeit um sich vorzubereiten und außerdem macht es ja auch Spaß wieder einmal zu zeichnen und zu basteln.
Falls man mal keine Lust hat, kann man sich auch mit den Unterrichtsmaterialien helfen, die vorherige Volontäre vorbereitet haben.
Die Computerklasse war auch toll, vor allem konnten die Mädels richtig gut englisch, da hat es dann mit der Verständigung einfach auch besser geklappt. Als einzige deutschsprachige in diesem Kurs, tat ich mir zwar anfangs etwas schwer mit der englischen Benutzeroberfläche der Programme (Word, Excel, Powerpoint) aber man gewöhnte sich dann mit der Zeit daran.
Ein durchschnittlicher Arbeitsalltag sah wie folgt aus:
- 07.00 Uhr aufstehen
- 08.00 Uhr Abfahrt zum Hauptcamp (wir wohnten etwas außerhalb)
- 08.30 Uhr Frühstück
- 09.00-10.00 Uhr Zeit zum vorbereiten, relaxen
- 10.00 Uhr Abfahrt zu den Projekten
- 10.15 Uhr Beginn erste Schulstunde
- 11.00-11:45 Uhr Pause
- 11.45-12.30 Uhr zweite Schulstunde
- 13.00 Uhr Mittagessen
- 13.30-15.00 Uhr Freizeit
- 15.00 Uhr Abfahrt zum Nachmittagsprojekt
- 15.30-16.30 Uhr Computerunterricht
- 17.00-19.00 Uhr Freizeit
- 19.00 Uhr Abendessen
- 19.30-21.00 Uhr Freizeit im Hauptcamp
- 21.00 Uhr Abfahrt zu unserem Haus
Das war natürlich nur mein persönlicher Ablauf, die Zeiten variierten. Auch kann man je nach Anzahl der Volontäre im Hauptcamp bleiben und hat dann keine so fixen Abfahrtszeiten, wir fanden es aber in "Silver Oaks" ruhiger und gemütlicher.
Mein Aufenthalt in Indien hat mir sehr, sehr gut gefallen. Wer eine völlig andere Kultur kennen lernen will, wunderschöne Gebäude, exotische Tiere, Frauen in farbenfrohen Saris und interessante Städte sehen will, sollte nach Indien gehen. In Indien ist kein Tag wie der andere und man weiß trotz langer Planung nie was auf einen zukommt. Die Reise selbst war sehr gut organisiert, wir wurden überall abgeholt, es war immer ein Ansprechpartner mit dabei.
Indien bringt einen ziemlich "Back to Basic", Trinkwasser muss man sich jeden Schluck kaufen, oft gibt es nur Indien-style Toiletten d.h. ein Loch im Boden mit einem Eimer zum Nachspülen, geduscht wird mit einem Eimer den man sich über den Kopf schüttet. Wer das "Abendteuer Indien" trotzdem wagen will, wird nicht enttäuscht sein, noch nie habe ich in kurzer Zeit so viel gesehen und erlebt.
Ein paar Tips:
Eine Tunika und eventuell eine indische Hose sollte man bereits in Jaipur kaufen, damit man für die ersten Tage in Palampur und im Projekt ausgerüstet ist. Ansonsten würde ich empfehlen alles in Palampur zu kaufen. Dort gibt es zwar kaum bereits fertig gestellte Kleidung, dafür kann man sich sehr, sehr günstig indische Kleidung schneidern lassen. Vor allem kann man sich die Stoffe aussuchen, dann wird Maß genommen und in 1-2 Tagen sind die Sachen fertig. (Darauf achten ein Stoffgeschäft zu wählen, welches einen Schneider beschäftigt.)
Für einen sehr schönen Stoff für ein komplettes Set d.h. Hose, Tunika und Schal niemals mehr als 500 Rupees, das sind ca. 8 Euro, bezahlen. Falls einem etwas nicht passt, kann man es problemlos ändern lassen. In Jaipur ist die Qualität der Kleider oft nicht so gut.
Wichtig! Immer handeln. Der Verkäufer nennt zuerst den Preis, dann geht man zuerst schon einmal bis um mehr als die Hälfte runter. Falls dir etwas nicht soviel wert ist, einfach weiter gehen, oft rennen einem die Verkäufer nach und lassen sich dadurch zu einem besseren Preis überreden.
Wenn man selbstständig am Wochenende wegfährt, auf alle Fälle den Schlafsack mitnehmen. Die Zimmer in Indien sind zwar unglaublich günstig (von EUR 1,00 die Nacht aufwärts), aber leider auch nicht besonders hygienisch.
Problemfall Rikschafahrer: Rikschas sind sehr bequem und in den meisten Fällen sehr günstig, allerdings sollte man niemals mehr als 40 Rupees für eine Fahrt bezahlen die kürzer als 20 Minuten geht. (und das ist schon viel)
Die meisten Fahrer haben Verträge mit Geschäften zu denen sie einen hinführen und wenn man dort etwas kauft, verdient der Fahrer mit. Deshalb: Ganz genau sagen wo man hin will. Besser 3 mal als einmal betonen das man "no Stopps" wünscht und falls er doch dazwischen stehen bleibt und einem überreden will auszusteigen um "nur mal reinzusehen", nicht darauf eingehen!
Auch fahren sie einem zu Tempeln und Elefantencamps, allerdings wird dort nach der Besichtigung auch kräftig abkassiert.
Geld: Am Besten ist es, gleich am Flughafen ordentlich Geld zu wechseln. Auch wenn man nur 4 Wochen bleibt und das Leben unten fast nichts kostet, bei so tollen Schals und Taschen die man unten für fast kein Geld bekommt, sollte man zuschlagen. Außerdem hat man nicht immer die Möglichkeit Geld zu wechseln, genauso ist auch beim telefonieren oder für das Internet nicht immer ein Geschäft in der Nähe, also Chancen nützen!
Auf keinen Fall zuviel Kleidung von zu Hause mitnehmen, in Indien gibt es supergünstige und sehr gemütliche Hosen und Tunikas. Die meisten Volontäre tragen während ihres Aufenthaltes nur indische Kleidung. Außerdem würde ich davon abraten etwas weißes mitzunehmen, die Kleider bekommt man in Indien nie wieder sauber.
Spezielle Sightseeing Tipps: In Palampur: McLeod Ganj, der Ort wo der Dalai Lama im Exil lebt (ca. 2 Stunden mit dem öffentlichen Bus), die Innenstadt von Jaipur (Pink City), in Jaipur: Waterpalace, City Palace, Palace of Winds. Kann alles an einem Nachmittag mit dem Rikscha erkundet werden. In Delhi: Red Fort, Lotus Temple
Für die Arbeit: Ein englisches Lernbuch mit vielen Kinderliedern besorgen, vielleicht schon ein paar Spielideen aus dem Internet ausdrucken, eventuell ein Musikinstrument, eine Flöte oder eine Trommel um die Lieder zu begleiten. Alles andere findet man im Camp oder besorgen einem die Crew von Idex gerne.








