Erfahrungsbericht Work & Travel Australien
Wahrscheinlich brauchen wir Dir nicht zu erzählen, was für ein spannendes Abenteuer ein Working Holiday in Australien sein kann. Wer fühlt sich nicht magisch angezogen von diesem phantastischen Kontinent mit seinen roten Wüsten, weißen Stränden und tropischen Regenwäldern? Wer möchte nicht mit Delfinen tauchen oder umgeben von Kängurus ausreiten, im Outback zelten oder im Sommer Ski fahren?
Daniel B.

- Alter: 23
- Reiseziel: Australien
- Heimatort: Nidderau
Dein schönstes Erlebnis?
Schwer zu sagen, es gab sehr viele einmalige Momente und Erlebnisse!
Mein Reisebericht:
Mit meinem Seesack in der Hand stand ich am 5ten Oktober am Frankfurter Flughafen. Darin befanden sich mein 70-Liter „Backpack“ mit dem Gepäck für die nächsten 3 Monate und ein Schlafsack. Ich hatte meinen Pass, die Tickets und natürlich das Gefühl „irgendetwas wichtiges vergessen zu haben“. Dazu aber später mehr.
Gerade einmal 4 Stunden zuvor war mir erst wirklich klar und deutlich bewusst geworden, dass ich jetzt ans andere Ende der Welt fliegen und erst an Weihnachten zurückkommen werde. Ein Gefühl, gemischt aus Euphorie und nackter Panik machte sich breit. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich noch nicht den Hauch einer Ahnung, was mich genau in Australien erwarten würde.
Natürlich hatte ich den ein- oder anderen Reisebericht vorher gelesen und mich auch über die Jobsuche in Down Under informiert, aber einen echten „Plan“ hatte ich nicht. – Wie es sich herausstellen sollte, war „kein Plan“ genau der Richtige.
Ich hatte meine Reise über Travelworks gebucht, da dies einem den Anfang in Australien stark erleichtert und vor allem in den ersten Tagen viel Sicherheit vermittelt. Für die Neuankömmlinge wurde der Transport vom Flughafen sowie ein Hostel für die ersten Nächte organisiert und auch die zum Arbeiten notwendige Steuernummer beantragt. Außerdem gab es am Tag nach der Ankunft ein kurzes Seminar und eine australische SIM-Karte für das Handy. Der wahre Vorteil dieser Organisation liegt aber darin, dass man von Anfang an mit Gleichgesinnten – die in der Regel auch allein reisen – in Kontakt kommt.
Wie es der Zufall so wollte, lernte ich noch vor der Gepäckausgabe in Sydney drei deutsche Mädels kennen, mit denen ich einen Großteil der nächsten Monate verbringen sollte. In den ersten Wochen erkundeten wir gemeinsam Sydney und Umgebung, eröffneten ein Bankkonto und lernten was es heißt, ein „Backpacker“ zu sein. Es ist etwas ungewohnt, wenn plötzlich ein Rucksack dein Kleiderschrank, Badezimmer und Büro in einem ist.
Um kostengünstig zu leben, wohnt man in Hostels mit „shared accomodation“ und teilt sich das Zimmer mit völlig fremden Menschen. Privatsphäre existiert hier nicht! Aber man lernt auf diese Weise täglich Menschen aus der ganzen Welt kennen. Mit einigen reist man ein Stück und manch einen möchte man nicht unbedingt wiedertreffen. ;-)
Nach nur fünf Tagen hatte ich bereits das erste Mal den Gedanken meinen Aufenthalt bis 2010 zu verlängern. Nach einer Menge Sightseeing beschlossen ein paar andere Backpacker und ich, mit einer Surfschule Richtung Norden zu reisen. Unser Surfcamp lag mitten in einem Nationalpark. Auf dem riesigen Gelände lebten wilde Kängurus und unsere einzige Sorge war, ob der Wind günstig zum Surfen steht. Die Gruppe bestand aus Engländern, Australiern, Schweden, Niederländern (Die sich selbst nur als Holländer bezeichnen), Deutschen und einem Italiener. Nach einer Woche voller Wellen, Spaß und Sonnenschein kamen wir nach Byron Bay, einer Surferstadt am östlichsten Punkt Australiens. Die Leute aus dem Surfcamp blieben noch über eine Woche zusammen und man traf sich fast jeden Abend um gemeinsam was zu unternehmen. Dann lernten wir zum ersten Mal das kennen, was so eine Reise eben mit sich bringt: „To many Goodbye’s“.
Zum traurig sein blieb aber nie viel Zeit, denn ständig hatte man neue „Roommates“, die alle ihre eigene Geschichte zu erzählen hatten. Es fanden sich auch immer unglaublich schnell Gruppen zusammen, so kam es, dass wir an einem Abend mit über 20 Leuten am Strand saßen, während ein Australier für alle Gitarre spielte.
Der erste Monat war beinahe rum und so langsam wurde es Zeit, mir einen Job zu suchen! Ich rief bei unzähligen Farmen und der Jobvermittlung an. Plante mögliche Reiserouten und suchte nach freien Hostelzimmern. Ich hatte von vielen Backpackern gehört, dass ein Workinghostel die beste Möglichkeit sei, einen guten Farmjob zu finden. In diesen Hostels teilt man sich für gewöhnlich ein Zimmer mit 3-7 Gleichgesinnten und der Besitzer vermittelt einem kostenlos Arbeit bei einer Farm im Umkreis. Man empfahl mir, mein Glück im Norden des Landes zu versuchen.
Auf dem Weg nach Norden lag Fraser Island, die größte Sandinsel der Welt, mit dem berühmten 75 Mile Beach. Das Highlight hier ist eine Self-drive-Safari über die Insel. Man mietet sich mit anderen Reisenden ein Auto und fährt quer über die Insel, deren Straßen ausschließlich aus Sand bestehen. Geschlafen wird in Zelten direkt am Strand. Ich unterhielt mich mit Irländern über die Kultur ihrer Kobolde, eine Schotte erklärte mir das System der Kilts und Clanfarben und ein englisches Pärchen referierte über die Geschichte der Monarchie.
Ein Höhepunkt der Reise, dem kurz darauf der absolute Tiefpunkt folgen sollte. Die Warnungen waren deutlich „Bundaberg is just horrible“, „don’t do that!“, „never ever go to Bundaberg“. Nun ja, ich tat es trotzdem. – Wenn keiner hingeht müsste ich doch leicht einen Job finden, oder?! Die Stadt besitzt in etwa den Charme von „From dusk till dawn“. Sollte ich jemals einen Horrorfilm drehen, dann dort! Ich checkte vor Ort in das Workinghostel mit den BESTEN Bewertungen ein. Was ich vorfand wäre mit einer Renovierung nicht zu retten gewesen, sondern gehörte geschlossen und abgerissen. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, wie wohl jene Herbergen mit schlechten Bewertungen aussehen. Im Gegensatz zu meiner Reisebegleitung nahm ich die Situation noch mit Humor und freute mich darauf, am nächsten Tag zu arbeiten. Leider mussten wir feststellen, dass sich die Warnungen nicht auf die Stadt, sondern vor allem auf die Arbeitsbedingungen vor Ort bezogen haben.
Von daher kann ich den folgenden Tag auf einer australischen Tomatenfarm nicht beschreiben, ohne dabei verbal zu entgleisen. Wir entschieden uns Bundaberg ASAP (as soon as possible) zu verlassen und erstmal einen kleinen Segeltrip zu unternehmen. Mittlerweile waren wir wahre Profis was das Reisen in Australien anging und buchten von unterwegs aus unsere nächsten Stationen auf dem Weg nach Norden. Ich verschob meinen für Weihnachten gebuchten Flug auf Mitte Januar und meinen geplanten Tauchkurs zog ich vor, um dann doch endlich auch mal Arbeiten zu gehen…!
Der nächste Stop war Cairns, die Hauptstadt des tropischen Queensland. Mit dem Tauchkurs ging es für ein paar Tage ins Great Barrier Riff. Nach ein paar Begegnungen mit Schildkröten, Haien und einem riesigen Napoleon-Lippfisch, hatte ich mein Open-Water-Diver Zertifikat. Es war nun schon Ende November und der Work- Part meines „Work and Travel“ wurde so langsam auch aus „monetären Gründen“ immer wichtiger. In Cairns hatten sich zwei meiner ursprünglichen Sydney-girls wieder eingefunden und wir beschlossen gemeinsam arbeiten zu gehen.
Mit dem Bus ging es etwa 100 Kilometer landeinwärts in die Atherton Tablelands. Das Workinghostel hier war ein absoluter Traum. – Hier hatten die Zimmer sogar funktionierende Türen und es gab richtige Betten. Innerhalb von 24 Stunden bekam ich meinen ersten Job: Zitronen und Limetten ernten. Aaaahja… gut! Die Arbeit war nicht besonders schwer und im Gegensatz zu Bundaberg ging es hier sehr human zu. Vor allen Dingen war es aber extrem heiß und man musste trotzdem lange Kleidung tragen, um sich vor Sonne und Dornen zu schützen. Nach zwei Tagen bekam ich dann einen „permanent Job“ auf einer Lychee Farm. Jackpot! Das bedeutete täglich um 4 Uhr aufzustehen, denn um halb 6 begann bereits die Ernte. Litschies wachsen auf Bäumen, meine Aufgabe war es, sie von dort zu ernten. Von daher kletterte ich den ganzen Tag durch das Geäst und schnitt büschelweise Litschies ab, die dann in einer Scheune sortiert und verpackt wurden. Die Arbeit war recht einfach, gut bezahlt und wir hatten immer eine Menge Spaß. Ein kleiner Risikofaktor dieser Arbeit waren wohl die Baumschlangen, aber in der ganzen Zeit begegnete mir nur eine einzige und die reagierte recht gelassen auf Besucher.
Nach drei Wochen mussten wir die Farm verlassen, da schon der nächste Teil der Reise geplant war. Unsere Farmer hatten uns zum Abschied noch einen Kuchen gebacken und wollten uns vor Saisonende eigentlich nicht gehen lassen. Nun ging es mit dem Flieger ins rote Herz Australiens. In Alice Springs sammelten wir das vierte Mitglied der ursprünglichen Sydneytruppe ein und fuhren dann mit dem Mietwagen zum Ayers Rock, um dort Weihnachten zu feiern. Das Thermometer zeigte 43° an und im Auto lief „Winter wonderland“ von Eurythmics. Aber trotz Musik und Nikolausmützen kommt bei diesen Temperaturen einfach keine richtige Weihnachtsstimmung auf.
Der Weg durch das Outback ist schier endlos und es liegen hunderte von Kilometern zwischen den wenigen Städten entlang dieser Route. Hier gibt es nicht viel, außer Sträucher und unzählige lebensmüde Kängurus. Einmal beim gemütlichen Päuschen auf der Hauptstraße gestört, hüpfen sie vergnügt und stetig direkt vor der Motorhaube herum, bis sie sich dann irgendwann doch für die Flucht ins Gelände entscheiden. In diesen Momenten waren wir froh, dass wir eine Vollkasko für das Auto abgeschlossen hatten.
Nach einer Woche und rund 2500 Kilometern kamen wir nach Adelaide, um hier Silvester zu verbringen. Mein Neujahr begann diesmal um 14:30 Uhr Deutscher Zeit. Das Ende der Reise kam leider immer näher und ich musste nach Melbourne, da dort mein Flieger ging. Wir entschieden uns entlang der „Great Ocean road“ zu reisen. Hier sah ich dann auch endlich in Freiheit lebende Koalas. Ein Einheimischer erzählte mir, dass sie nicht einmal die Bäume verlassen würden, wenn es anfängt zu stürmen.
In Melbourne war dann noch großes Souvenirshopping angesagt. Ein letztes Mal ging es an den Strand, dann brachten mich meine Mädels zum Flughafen. Meine Stimmung war auf dem Nullpunkt angelangt, denn das Abenteuer war jetzt und hier zu Ende.
Innerhalb von 99 Tagen hatte ich einen riesigen Kreis um den halben Kontinent gezogen, Kontakte in der ganzen Welt geknüpft und viele einmalige Erfahrungen gemacht. Eine Koala durfte ich aufgrund der strengen Artenschutzbestimmungen leider nicht exportieren. Aber wie heißt der Spruch der Aborigine auf Fraser Island so schön: Please take just memories. Das hab ich.








