Naturschutz auf den Seychellen – von Schildkrötenbabys, Hai-DNA und faulen Eiern

Schildkröte Seychellen

Türkisfarbenes Meer, weiße Strände, Granitfelsen und Traumreiseziel für die Flitterwochen – so kennen viele die Seychellen. Dass man das tropische Inselparadies auch von einer anderen Seite kennen lernen kann, durfte ich im Rahmen eines Naturschutzprojekts auf Curieuse Island erleben.

Freiwilligenarbeit im Naturschutzprojekt

Im Rahmen meiner Freiwilligenarbeit auf den Seychellen half ich drei Wochen lang als „Junior-Ranger“ im Naturschutz des Curieuse Marine Nationalparks aus, lernte Schildkrötenspuren im Sand zu entdecken und die entsprechenden Spezies zu identifizieren, lernte die Vogelstimmen den entsprechenden Vögeln zuzuordnen, wie man Haie fängt und wissenschaftlich untersucht, übte mich im Kokosnussknacken und Fischeausnehmen und lernte, wie man einen Seemannsknoten richtig anwendet.

Unterkünfte Seychellen

Unsere Unterkunft auf Curieuse Island

Doch jetzt mal von vorn: Am ersten Tag bekam ich gleich drei Inseln zu Gesicht: Zunächst wurde ich aus Beau Vallon abgeholt und zum Fährhafen von Victoria gebracht – so konnte ich bereits einen ersten Eindruck von der Hauptinsel Mahe bekommen. Auf der ca. einstündigen Fährüberfahrt nach Praslin hatte ich dann Gelegenheit, mich mit den anderen Teilnehmern zu unterhalten. Auf Praslin angekommen ging es per Taxi zum Strand von Cote d’Or, wo der Base Manager von Curieuse Island mit dem kleinen Motorbötchen „Dexter“ auf uns wartete und uns zu unserem Zuhause für die nächsten Wochen brachte – der unbewohnten Insel Curieuse Island.

Unser Projekt auf Curieuse Island

Freiwillige im Naturschutz auf den Seychellen

Aussicht von Mount Curieuse

Die Insel ist Teil des Curieuse Marine Nationalparks und liegt vor der Küste Praslins. Wir – insgesamt zwölf freiwillige Helfer aus den USA, Großbritannien, Schweden und Luxemburg – lebten in den alten, mit Lianen und Moosen bewachsenen Bauten einer ehemaligen Leprastation. Die Gebäude erinnern aber eher an eine Indiana-Jones-Kulisse, als an eine Leprastation, da sie alle vom Regenwald eingeschlossen sind und nur durch sandige Pfade verbunden sind. Insgesamt zählen zum Camp eine Küche (ausgestattet mit einem Kühlschrank, 2 Gasherden, einem Trinkwasserbehälter und Schränken mit Geschirr und Co), ein Science-Room (ein Raum mit Tischtennisplatte, Couch und Regalen mit Fachliteratur zur heimischen Flora und Fauna) sowie zwei Schlafsäle (mit je 6 Hochbetten) sowie das Staff Haus, wo der Base Manager und die anderen festen Mitarbeiter lebten.

Die Dusche bestand aus einem mit Wellblech abgetrennten Bereich, geduscht wurde mit Regenwasser, maximal jeden 2. Tag (die anderen Tage erfrischt man sich im Meer). Die beiden Toiletten standen etwas abseits der Schlafsäle in einer mit einem Duschvorhang abgetrennten Hütte. Eine Spülung gab es nicht, dafür aber mehrere Eimer, mit denen wir täglich einen „Bucket Run“ machten, um eine riesige Tonne mit Meerwasser zu füllen. Spülte man am Anfang noch nach jeder Benutzung, überlegte man sich auf die Dauer dreimal, ob man wirklich spülen musste – die Tonne mit dem Salzwasser leerte sich doch recht schnell bei 12 Nutzern, und der Weg zum Meer wurde auch mit jedem Tag länger. Es dauerte auch etwas, bis man wusste, wie man das Klo möglichst effektiv spült (der richtige Kipp-Winkel und die -höhe sind entscheidend :)!).

Die ersten Tage und Tagesablauf

einzigartige Naturlandschaft der Seychellen

einzigartige Naturlandschaft der Seychellen

In den ersten Tagen gab es viele Präsentationen und Schulungen rund um die wissenschaftlichen Arbeiten, um die sich das Projekt drehte. Auch ein erste-Hilfe-Kurs, ein Bootssicherheits-Crashkurs und diverse Sicherheitstrainingseinheiten waren Teil des Programms. Dann ging es endlich los: Pro Tag begab man sich auf ein bis zwei Feldstudien, kurz nach dem Frühstück machte man sich mit einem Teil der Gruppe und einem Mitarbeiter auf den Weg. In meinem Fall waren das Studien zu Vögeln, Meeresschildkröten (green turtle und hawkesbill turtle), Haien (hauptsächlich sicklefin lemon sharks), der einzigartigen Palmenart Coco de Mer (die nur auf den Seychellen vorkommt) sowie Mangroven. Mittags war man meist wieder zurück im Camp, wo es Lunch gab.

Danach standen meist noch ein bis zwei weitere Exkursionen auf dem Plan. Abendessen gab es meistens gegen 18.30 Uhr. Das Essen wurde übrigens immer von 2 Leuten der Gruppe zubereitet (jede Woche war man an einem Tag „on base duty“, d.h. man musste Frühstück, Mittagessen und Abendessen zubereiten, Brot für den nächsten Tag backen, Toiletten, Schlafsäle, Küche, Science Room und Aufenthaltsraum putzen). Manchmal kam es einem ganz entgegen, dass man „on duty“ war, sei es wegen einer schlaflosen Nacht Dank krakelender Fledermäusen, einem auf einer Wanderung abhanden gekommenen Zehnagel oder den zahlreichen Moskitostichen, die man trotz fleißiger Insektensprayapplikation kaum abwenden konnte).

Studien zur Haipopulation

Baby-Hai

Ich habe einen Hai gefangen!

Für die Hai-Feldstudien mussten erstmal Babyhaie gefangen werden und anschließend vermessen, gewogen, eine DNA-Probe genommen, fotografiert und getaggt werden. Die ganze Haiaktion zieht sich übrigens über mehrere Stunden hin, man muss dabei ganz ruhig im Wasser der Lagune stehen, teilweise bis zur Brust, und die meisten Male fressen einem Snapper, Barrakudas und andere hungrige Fische die Köder weg. Ab und zu kommt auch mal ein ausgewachsener 2m-Hai vorbeigeschwommen, die sind aber sehr scheu und schwimmen schnell wieder weg. Die Daten wurden dann an die MCSS (Marine Conservation Society Seychelles) und dem Department of Environment weitergegeben, die eine Studie zu der Population und Verbreitung der Sichelflossenzitronenhaie machen, über die noch recht wenig bekannt ist.

Zwischen Mangroven und Vögeln

Um die Mangroven zu erforschen haben wir von unterschiedlichen, mit einem Pfosten gekennzeichneten und mit GPS-Daten versehenden Stellen Sandproben entnommen, den Salzgehalt und die Temperatur gemessen. Dabei musste man viel im Matsch herumlaufen und man hat viele Schnecken, Krabben und Schlammspringer gesehen, die in den Mangrovenwäldern leben. Zwischendurch sieht man auch immer wieder Riesenlandschildkröten, die sich auch gern mal kraulen lassen.

Bei den Vogelstudien brauchte man viel Geduld und Ruhe, denn man saß in erster Linie viel und notiert die Anzahl und Art der Vögel, die man hört und sieht. Bei den Vögeln die man sehen konnte, wurde zudem noch analysiert, was genau sie grade machen, z.B. Nahrungsaufnahme, fliegen, ausruhen. Ich habe nun auch einen Curieuse-Lieblingsvogel: Den Green Backed (Striated) Heron – einfach, weil er keinen Hals zu haben scheint :).

Coco de Mer – Palmen auf den Seychellen

Mit am anstrengendsten waren die Feldstudien für die Coco de Mer, weil man abseits der Trampelpfade durch unwegsames Gelände musste – teilweise musste man sich mit der Machete den Weg freischneiden, kriechen und klettern. Das Ganze dann auch noch bergauf und oft inmitten der Mittagshitze und auf rutschigem Untergrund (trockene Palmenblätter auf dem Boden, kombiniert mit bröckeligen Felsen sind nicht zu unterschätzen :)!). Dann kletterte man wie ein Äffchen in die Palmen, vermaß diese und notierte Stammumfang, Anzahl neu nachgewachsene Blätter und Wuchshöhe. Auf einer Karte wurde dann mithilfe von GPS-Daten festgehalten, welche Palmen man schon abgearbeitet hatte, und welche man noch vor sich hatte. Die bereits vermessenen Palmen haben wir dann letztendlich noch mit einem Marker versehen und das entsprechende Datum draufgeschrieben.

Meeresschildkröten

Schildkröte mit Chip

Eine Schildkrötenflosse mit Chip

Für die Meeresschildkrötenstudien lief man zunächst die Strände auf der Suche nach Spuren ab. Anhand der Spuren ließ sich z.B. ablesen, ob und wann eine Schildkröte Eier ablegen wollte oder abgelegt hat und um welche Meeresschildkrötenart es sich handelte. Dann wurde nach neuen Nestern geschaut, welche dann gekennzeichnet und kartiert wurden. Zusätzlich haben wir immer die alten Nester kontrolliert, wo der Schlüpftermin bereits verstrichen war. Hier mussten wir dann bis zu einen Meter tief buddeln, die Eier herausholen, zählen und die ungeschlüpften Eier aufmachen, um herauszufinden, in welchem Stadium der Embryo war. Das konnte eine ziemlich stinkende Angelegenheit werden, vor allem wenn Krebse die Schildkrötenköpfchen abgeknuspert hatten und einem das Ei-Innere grünlich-glibberig entgegenflutschte (was des Öfteren passierte, wenn man die Eierschale unvorsichtig aufriss).

Manchmal hatte man Glück und man konnte noch ein paar lebendige Schildkrötenbabys – die sich unter einer Wurzel verheddert hatten oder zu schwach waren, an die Oberfläche zu paddeln – finden. Diese haben wir dann ins Meer hinein begleitet. Leider waren in vielen alten Nestern missgebildete Babys, die teilweise ohne Flossen, Augen oder mit deformierten Panzern zur Welt gekommen sind.

Nach getaner Arbeit…

Notizen zu unseren Feldstudien

Notizen zu unseren Feldstudien

Abends kehrte meist früh Ruhe ein, viele waren von den langen Wanderungen und der tropischen Hitze doch sehr geschafft und landeten schnell im Bett. Mit einigen der wenigen anderen Nachteulen habe ich den Abend aber dann doch mit ein paar Bierchen oder Weinchen ausklingen lassen, das ein oder andere Kartenspiel gespielt oder Diskussionen über die leckersten Gerichte der Welt geführt (es gab nur zweimal pro Woche Fleisch, was für mich als Fleischfan doch einige Gelüste freisetzte). Essen war eh immer ein großes Thema im Camp, bei der sehr limitierten Auswahl an Zutaten (Kartoffeln, Zwiebeln, Reis, Nudeln, Dosenbohnen, Dosenfrüchte und manchmal Möhren, Tomaten und Äpfel) hoffte man immer, dass derjenige der „base duties“ hatte, auch kochen konnte. Großes Highlight war das Barbecue am Freitag: Hier gab es entweder Hühnchen oder Fisch – je nachdem was es grad auf Praslin zu kaufen gab. Die Fische waren fangfrisch und mussten erstmal entschuppt und ausgenommen werden.

In der Freizeit die Seychellen genießen

An den Wochenenden hatte man dann frei, die meisten sind auf Curieuse geblieben, man konnte aber auch für ein paar Tage zu einer der Nachbarinseln fahren, schnorcheln, tauchen oder Souvenirs shoppen. Ich kann einen Besuch der Insel La Digue und Cousin Island sehr empfehlen – erstere lässt sich gemütlich per Rad erkunden und besticht durch die relaxte und ursprüngliche Atmosphäre, letztere wird von tausenden See- und Küstenvögeln als Nistplatz genutzt – niedliche Fellbällchenküken inklusive :).

Ich habe mich nur ungern von der echt paradiesischen Inselwelt im Indischen Ozean verabschiedet – jetzt heißt es wieder ab an den Schreibtisch, wo Marketing- und Presse-to-do-Listen auf mich warten :).

Curieuse Island, Seychellen

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Curieuse Island, Seychellen -4.281590, 55.721724 Curieuse Island, Seychellen

Colette Sosinski

Colette hat als Marketing Managerin bei TravelWorks gearbeitet. Nach einer Nordseeüberquerung, einer Kanutour durch Schweden, Tuk-Tuk-Tramping in Kambodscha und vielen weiteren Entdeckungsreisen, hat sie immer noch nicht genug von der Welt gesehen. Privat fotografiert sie gerne und veröffentlicht ihre Fotos auf schwarzbisbunt.de.

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