Kategorien
Asien

10 Jahre Freiwilligenarbeit Indien – Partnerjubiläum

Wie die Zeit vergeht… Jetzt haben wir schon 2015 und stellen fest: wir arbeiten schon seit 10 Jahren mit unseren Partner in Indien zusammen. Das muss gefeiert werden! Deswegen haben wir ein kleines Interview mit Steffi gemacht. Steffi ist seit 2004 bei TravelWorks und arbeitet als Produktmanagerin bei uns. Ohne sie würde es die vielen tollen Freiwilligenarbeitsprogramme gar nicht geben. Angefangen hat sie als Programmkoordinatorin in der Freiwilligenarbeitsabteilung – sie hat die Freiwilligenarbeit in Indien also von Anfang an begleitet und steht noch heute in engem Kontakt mit unseren Partnern.

Wie fing es an mit der Kooperation mit unserer indischen Partnerorganisation?

10-jahre-freiwilligenarbeit-indien-kinder-strasseIndien war neben Thailand das erste asiatische Land, in dem wir Freiwilligenarbeit angeboten haben. Mittlerweile arbeiten wir seit zehn Jahren mit unserer indischen Partnerorganisation zusammen. Damals gab es nur einen Projektort in der Wüste in Rajasthan und der Mindestaufenthalt lag bei acht Wochen. Mittlerweile gibt es mit Camps in Jaipur sowie in Himachal Pradesh im Norden und Goa an der Westküste weitere Einsatzorte. Man hat also die Wahl zwischen landschaftlich und kulturell unterschiedlichen Regionen und kann auch zwei Einsatzorte miteinander kombinieren, um möglichst viel vom Land zu sehen.
Da immer mehr Leute nicht so viel Zeit für einen Auslandsaufenthalt haben, ist es jetzt möglich, schon für drei Wochen einen Freiwilligeneinsatz zu machen.
Mit derselben Partnerorganisation arbeiten wir übrigens mittlerweile auch in Nepal und Sri Lanka zusammen – für diejenigen, die es in das Himalaya-Gebirge oder auf eine Insel zieht.

Wann warst Du das erste Mal in Indien?

Ich selbst war 2006 das erste Mal in Indien – zu Besuch bei den Partnern in Rajasthan und Himachal Pradesh. Das war auch zugleich meine allererste Reise nach Asien. Generell wird Indien nicht unbedingt als Einstiegsland für einen Asien-Aufenthalt bezeichnet und von daher war ich auf das Schlimmste gefasst. Und man muss sagen, dass solche Vorstellungen wie „Es ist laut und dreckig!“ durchaus bestätigt werden können. Wahnsinnig voll von Menschen ist es auch meistens und das ist schon sehr beeindruckend – manchmal auch etwas angsteinflößend, aber vor allem sehr faszinierend.

Hast Du etwas erlebt, von dem Du uns berichten möchtest?

10-jahre-freiwilligenarbeit-indien-indische-frauenEins meiner extremsten Erlebnisse hatte ich in einem Kinderprojekt in Rajasthan. Es handelte sich dabei um eine Kindertagesstätte, in der die Kinder tagsüber betreut werden und auch täglich eine warme Mahlzeit bekommen. Die meisten Kinder dort sahen so aus als ob sie zumindest regelmäßig zu essen bekommen, aber ein Mädchen stach aus der Gruppe heraus, weil es wirklich sehr dünn war. Ich habe dann erfahren, dass die Eltern dem Mädchen, das ca. 4-5 Jahre alt war, verboten hatten, in der Kita zu essen, weil das Essen von einer Köchin zubereitet wird, die einer niedrigeren Kaste, als die der Familie angehört. Das fand ich wirklich erschreckend – lieber sein Kind gar nichts essen lassen, als dass es „unreines“ Essen isst…? Aber das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man seine deutschen Vorstellungen der Welt am besten zuhause lässt und dass es auch immer Dinge geben wird, die man vor Ort entdeckt und nicht versteht.

Welches ist Dein Lieblingsprojekt vor Ort?

Eins meiner Lieblingsprojekte in Indien ist das Altenheim in Goa. In dem Altenheim wohnen ca. 40 alte Leute, bei deren Betreuung die einheimischen Mitarbeiter Hilfe gut brauchen können. Die Freiwilligen können mit den Bewohnern Karten spielen, ihnen etwas vorlesen oder einfach nur Gesellschaft leisten. In Indien ist es eher unüblich, dass die älteren Familienmitglieder nicht bei der Familie wohnen bleiben können, sondern in ein Altenheim ziehen müssen. Die Bewohner haben häufig keine Verwandten, die sich um sie kümmern und freuen sich sehr über die Aufmerksamkeit und Zuwendung durch die Volontäre.

Was sagst Du im Hinblick auf die Sicherheit in Indien? Viele Leute scheuen sich deswegen dorthin zu reisen…

10-jahre-freiwilligenarbeit-indien-gastfamilieIch kann verstehen, wenn Leute – vor allem Frauen – Bedenken haben, nach Indien zu reisen. In den letzten Jahren gab es leider viele negative Schlagzeilen zur Sicherheit von Frauen in Indien. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Stellung der Frau in der indischen Gesellschaft eine andere ist, als hier in Europa und Frauen es in Indien im Allgemeinen nicht einfach haben. Ich muss auch gestehen, dass ich nicht weiß, ob ich persönlich mich trauen würde, ganz alleine ohne Begleitung auf eigene Faust als Backpackerin durch Indien zu reisen. Das Gute an dem Freiwilligenarbeitsprogramm ist, dass man die ganze Zeit über von der Partnerorganisation betreut wird. Man hat jederzeit Ansprechpartner und vor allem ist man mit anderen Teilnehmern zusammen. D.h. selbst wenn die Teilnehmer am Wochenende frei haben, können sie sich zusammen tun und gemeinsam Ausflüge unternehmen. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, über die Partnerorganisation einige organisierte Ausflüge zu buchen, sodass man keine Angst haben muss. Man kann auf diese Weise sehr viel von Land und Leuten kennenlernen und bekommt einen tollen Eindruck vom Land.

Was würdest Du gerne noch von Indien sehen?

10-jahre-freiwilligenarbeit-indien-indische-gruppeBei meiner nächsten Reise nach Indien würde ich gerne noch einmal nach Himachal Pradesh, genauer gesagt nach Dharamsala/McLeod Ganj reisen. Dort befindet sich der Exilsitz des Dalai Lamas und wenn er sich dort aufhält, gibt es normalerweise Veranstaltungen mit ihm, die jeder besuchen kann. Als ich bereits einmal dort war, befand er sich leider gerade auf Reisen, aber Teilnehmer von uns hatten schon mal Glück und haben ihn live erleben können. Das muss ein tolles Erlebnis sein! McLeod Ganj ist so oder so aber ein wunderschöner in den Bergen gelegener, buddhistisch angehauchter Ort. Also auch ohne Dalai Lama immer eine Reise wert.

Vielen Dank, liebe Steffi, für das Interview und viel Spaß beim Planen Deiner nächsten Indienreise.

10-jahre-freiwilligenarbeit-indien-bemalt

Von Lisa Bleckmann

Lisa arbeitet im Marketing Team bei TravelWorks. Täglich kommt sie in den Genuss, Texte und Bilder von Neuseeland, Costa Rica, Südafrika und Co. schreiben und bearbeiten zu dürfen – da ruft das Fernweh jeden Tag! Schon Australien, Neuseeland, Thailand, die USA, Irland und viele weitere Länder hat sie unsicher gemacht. Ihr Traum ist ein Roadtrip im Bulli um die ganze Welt, vom Meeresrauschen am Strand aufzuwachen und zu sehen, wohin es sie treibt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.