{"id":8844,"date":"2017-03-20T12:00:27","date_gmt":"2017-03-20T11:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/?p=8844"},"modified":"2017-03-20T13:31:02","modified_gmt":"2017-03-20T12:31:02","slug":"leben-und-lernen-in-tempelschulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/leben-und-lernen-in-tempelschulen.html","title":{"rendered":"Leben &#038; Lernen in Tempelschulen &#8211; Eine Reportage"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Tempel mit einer gro\u00dfen goldenen Buddha-Statue, in orange Gew\u00e4nder geh\u00fcllte M\u00f6nche, deren Gesichter Weisheit und Achtsamkeit ausstrahlen und die friedliche Stille in den Tempelg\u00e4rten. Unsere Kollegin Jenny hat eine Tempelschule in Chiang Mai, Thailand, besucht und erz\u00e4hlt dir hier von ihren beindruckenden Erlebnissen.<\/em><\/p>\n<h2><strong>Begegnung mit einem M\u00f6nch<\/strong><\/h2>\n<p>Nachmittags, irgendwo im Gewirr der Gassen in Chiang Mai, Thailand, stehe ich vor einer Holzt\u00fcr. Es riecht nach Essen, vielleicht Reis und gebratenes Gem\u00fcse. Ein Mofa knattert vorbei und scheucht ein paar H\u00fchner vom Stra\u00dfenrand auf und in den gegen\u00fcber liegenden kleinen Shops h\u00f6re ich Menschen lebhaft miteinander reden und lachen. Dann quietscht es und ein fr\u00f6hlicher M\u00f6nch blickt mich mit einem breiten Grinsen an. <em>\u201eWillkommen! Sch\u00f6n, dass du da bist\u201c,<\/em> sagt er und winkt mich herein.<\/p>\n<p>Kaum dass ich das weitl\u00e4ufige Tempelareal betrete, umgibt mich eine angenehme Stille. Die Ger\u00e4usche von der Stra\u00dfe sind kaum mehr zu h\u00f6ren und durch die schattenspendenden B\u00e4ume erkenne ich bereits erste Umrisse des Tempels, den ich heute besuchen und mir ein Bild vom Leben der M\u00f6nche machen m\u00f6chte. \u201e<em>Ich bin Phra Ajarn Supoj<\/em>\u201c, stellt sich der l\u00e4chelnde M\u00f6nch vor, <em>\u201eund zeige dir heute unseren Tempel\u201c<\/em>. Die Begr\u00fc\u00dfungsrituale im Kopf und auf richtiges Verhalten gegen\u00fcber M\u00f6nchen bedacht, l\u00e4chele ich ihn ebenfalls an, beuge mich leicht nach vorn, presse meine Handfl\u00e4chen vor der Stirn zusammen und senke respektvoll den Kopf. Der Nachmittag verspricht interessant und lehrreich zu werden, denn Phra Ajarn Supoj ist irgendwie ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt habe. Er ist jung, 32 Jahre um genau zu sein, hat strahlend wei\u00dfe Z\u00e4hne und spricht mit mir in einwandfreiem Englisch.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8850\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4.jpg 500w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4-20x30.jpg 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Aufgaben der M\u00f6nche <\/strong><\/h2>\n<p>Er f\u00fchrt mich den Weg entlang. Langsam gehen wir auf den Tempel zu, den ich bereits durch die B\u00e4ume und teils hochgewachsenen Pflanzen erahnen kann. In ihren leuchtend orangefarbenen Roben lassen sich die M\u00f6nche und Novizen dagegen deutlich leichter auf dem Gel\u00e4nde entdecken. Vereinzelt sitzen sie auf B\u00e4nken oder an S\u00e4ulen gelehnt, lesen vertieft in ihren B\u00fcchern oder notieren eifrig Gelerntes in ihren Heften. <em>\u201eJetzt ist Zeit f\u00fcr weltliche Studien\u201c<\/em>, erkl\u00e4rt mir Phra Ajarn Supoj. <em>\u201eSie widmen sich gerade beispielsweise englischen Vokabeln oder Mathematik. Meist wird im Klassenverbund unterrichtet, aber an jedem Tag sind auch Zeiten f\u00fcr Selbstlernphasen vorgesehen. Ich zeige dir sp\u00e4ter auch unsere Klassenr\u00e4ume\u201c<\/em>, verspricht er.<\/p>\n<p>Er f\u00fchrt mich weiter durch den Garten, vorbei an einer Bl\u00fctenpracht von Orchideen und allerlei exotischen Pflanzen. Alles duftet hier so gut und die akkurat geschnittene Hecke gibt mir mit einem Mal den Blick auf einen sehr gepflegten und gro\u00dfz\u00fcgigen Gem\u00fcsegarten frei. Hier wachsen u.a. diverse Kohlarten, Kr\u00e4uter wie Zitronengras und Basilikum und etwa ein Dutzend Obstb\u00e4ume.<\/p>\n<p>Phra Ajarn Supoj erkl\u00e4rt mir, dass die Pflege des Gartens eine der allt\u00e4glichen Aufgaben der M\u00f6nche sei. Dazu k\u00fcmmern sie sich au\u00dferdem um die Instandhaltung des Tempels, kleinere Reparaturen, die Sauberkeit in den Schlafs\u00e4len und s\u00e4mtlichen R\u00e4umen des Tempels und versorgen herrenlose Tiere. Viel zu tun&#8230; merke ich an und frage, ob es einen durchstrukturierten Tagesablauf gibt. Und den gibt es in der Tat: <em>\u201eUm 5 Uhr stehen wir auf und meditieren zun\u00e4chst f\u00fcr uns allein, bevor wir um 5.30 Uhr mit einem gemeinsamen Gebet den Tag beginnen. Gegen 6.30 Uhr begeben wir uns in die Gemeinde, um Almosen zu sammeln.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8848\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-1.jpg 750w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-1-30x20.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>\u00dcber das Almosensammeln&#8230;<\/strong><\/h2>\n<p>Phra Ajarn Supoj berichtet, dass die ersten buddhistischen M\u00f6nche keine Tempel gr\u00fcndeten, sondern obdachlos waren und um ihre Mahlzeiten betteln mussten. Oftmals waren ihre Robe und Sch\u00fcssel ihre einzigen Besitzt\u00fcmer. Heute, vor allem in Thailand, sind die M\u00f6nche noch immer auf Almosen aus der Bev\u00f6lkerung angewiesen. In einer Reihe, der \u00c4lteste vorneweg, gehen sie durch die Stra\u00dfen und die Menschen geben ihnen nicht nur Essen, sondern auch Blumen oder R\u00e4ucherst\u00e4bchen in ihre Sch\u00fcsseln.<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrfen die M\u00f6nche nicht sprechen, auch nicht, um sich f\u00fcr die Gaben zu bedanken. <em>\u201eDas \u00dcberreichen der Almosen ist nicht als Akt der G\u00fcte zu sehen, sondern soll vielmehr eine Verbindung zwischen der Gemeinde und uns M\u00f6nchen schaffen. Die Bewohner versorgen uns mit Mahlzeiten und wir stehen ihnen im Gegenzug in geistigen Angelegenheiten zur Seite\u201c<\/em>, sagt er. <em>\u201eMit unseren gut gef\u00fcllten Sch\u00fcsseln begeben wir uns gegen 8 Uhr zur\u00fcck zum Tempel, um die uns geschenkten Almosen zu essen. Ab 9 Uhr lehren und lernen wir buddhistische Studien, bis wir um 11.30 Uhr die zweite \u2013 und letzte \u2013 Mahlzeit des Tages zu uns nehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Da komme ich kurz ins Stocken: Wenn ich um 11.30 Uhr mein Mittag und danach nichts mehr essen w\u00fcrde, w\u00e4re ich sp\u00e4testens im Laufe des Nachmittags zu nicht mehr viel f\u00e4hig, geschweige denn k\u00f6nnte ich noch etwas lernen oder Produktives tun. Aber genau das steht in der zweiten Tagesh\u00e4lfte f\u00fcr die M\u00f6nche auf dem Plan.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-Mo\u0308nche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8865\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-Mo\u0308nche-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-Mo\u0308nche-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-Mo\u0308nche-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-Mo\u0308nche-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-Mo\u0308nche-30x23.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Vom M\u00f6nchwerden&#8230;<\/strong><\/h2>\n<p><em>\u201eAb 12.30 Uhr widmen wir uns den weltlichen Studien. Wir unterrichten hier unter anderem Mathematik, Geografie und nat\u00fcrlich Englisch. Du hast einige Novizen ja schon hier drau\u00dfen sitzen sehen. Sie sind jung und wissbegierig und lernen sehr schnell.\u201c<\/em> Ich erfahre, dass Phra Ajarn Supoj mit zw\u00f6lf Jahren Novize geworden und einem Tempel beigetreten ist.<\/p>\n<p><em>\u201eWarum ich mich f\u00fcr ein Leben als M\u00f6nch entschieden habe, hat zwei Gr\u00fcnde. Der erste war Bildung. Meine Eltern waren arm und konnten es sich nicht leisten, mich zu einer regul\u00e4ren Schule zu schicken. Damals wusste ich, dass ich nur in einer Tempelschule eine gute und h\u00f6here Schulausbildung erhalten w\u00fcrde.\u00a0<\/em><em>Der zweite Grund war, dass ich den \u201eVerdienst\u201c bzw. das \u201eAnsehen\u201c ein M\u00f6nch zu sein, meinen Eltern \u00fcbertragen kann, insbesondere meiner Mutter. Denn einer Frau ist ein Beitritt in einen Tempel in der Regel verwehrt. Hier ist es auch \u00fcblich, dass ein Mann zumindest einmal in seinem Leben die Erfahrung machen sollte, als buddhistischer M\u00f6nch zu leben.\u201c<\/em> Manche bleiben es ihr Leben lang und widmen ihr Dasein fortan dem Buddhismus, so wie Phra Ajarn Supoj, der heute selbst Novizen ausbildet.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8870\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-2.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-2.jpg 750w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-2-30x20.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Anpassungsschwierigkeiten?<\/strong><\/h2>\n<p>Mittlerweile ist es sp\u00e4t am Nachmittag und ich sehe die M\u00f6nche flei\u00dfig arbeiten. Mit Besen und Wischlappen haben sich einige darangemacht, den Eingangsbereich sauberzumachen. Wir setzen uns auf eine Bank davor. \u201e<em>Um 17 Uhr ist Schulschluss\u201c<\/em>, erkl\u00e4rt Phra Ajarn Supoj. \u201e<em>Ab dann k\u00fcmmern wir uns zum Beispiel um die Instandhaltung und Reinigung des Tempels, bis wir uns um 19 Uhr f\u00fcr das Abendgebet versammeln. Danach ist noch Zeit f\u00fcr weitere Tagesaufgaben, das Selbststudium oder um sich mit den anderen M\u00f6nchen auszutauschen, \u201esocialising\u201c sozusagen. Um 22 Uhr meditieren wir noch einmal und gehen im Anschluss schlafen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ein wirklich langer Tagesablauf, werfe ich ein, und frage, ob es denn gerade f\u00fcr die J\u00fcngeren schwierig sei, sich dem vielleicht ungewohnt durchstrukturierten Leben anzupassen. <em>\u201eF\u00fcr Novizen, die noch im Kindesalter sind, ist es sicherlich am schwersten, sich die meiste Zeit des Tages \u00fcber ruhig und still zu verhalten und nicht zu aktiv zu sein\u201c<\/em>, erkl\u00e4rt Phra Ajarn Supoj und erinnert sich an seine eigene erste Zeit im Tempel zur\u00fcck.<\/p>\n<p><em>\u201eAller Anfang ist schwer: Kinder wollen nun mal rennen und sich bewegen \u2013 als Novize darf man das nicht, und so m\u00fcssen sie sich zun\u00e4chst gegen ihr Naturell verhalten.\u00a0<\/em><em>Sie werden von den \u00e4lteren M\u00f6nchen beobachtet und engmaschig betreut. Diese stellen sicher, dass die Novizen die buddhistischen Regeln und Vorgaben des Tempels beachten. Viele sind das erste Mal weg von Zuhause und wissen nicht, wann sie ihre Familien das n\u00e4chste Mal wiedersehen. Heimweh ist daher auch immer wieder ein gro\u00dfer Faktor, der bei der Eingew\u00f6hnung in das Leben und die Strukturen unseres Tempels eine gro\u00dfe Rolle spielt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8866\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-3-30x23.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Vom Novizen zum M\u00f6nch<\/strong><\/h2>\n<p><em>\u201eWas ist \u00fcberhaupt der Unterschied zwischen M\u00f6nchen und Novizen\u201c<\/em>, frage ich und Phra Ajarn Supoj berichtet, dass viele Jungen im Laufe ihrer Schulzeit zu Novizen ausgebildet werden. Sie leben nach \u00e4hnlichen Regeln wie die M\u00f6nche, sind auf dem Tempelgel\u00e4nde untergebracht und erhalten dort auch Essen. Sie nehmen an ausgew\u00e4hlten Zeremonien teil, meditieren und k\u00fcmmern sich ebenfalls um die Pflege und Instandhaltung der Geb\u00e4ude sowie der Gr\u00fcn- und Gartenanlagen. Novizen ist es jedoch nicht gestattet, gemeinsam mit uns M\u00f6nchen zu essen, sie sind ebenfalls nicht anwesend, wenn die Ordensregeln vorgelesen werden und m\u00fcssen auch noch nicht beichten.<\/p>\n<p>Nach ein bis zwei Jahren erh\u00e4lt ein Novize die M\u00f6nchsweihe und wird damit zum M\u00f6nch. Dazu muss er aber mindestens 20 Jahre alt sein. <em>\u201eMit 20 Jahren habe auch ich die M\u00f6nchsweihe erhalten\u201c<\/em>, erz\u00e4hlt Phra Ajarn Supoj. Seit seinem Beitritt mit zw\u00f6lf Jahren hat er \u00fcbrigens in insgesamt neun Tempeln gelebt. <em>\u201eEs ist keine Pflicht, in ein und demselben Tempel zu bleiben, dem man anfangs beitritt. Novizen und M\u00f6nche d\u00fcrfen jederzeit zum n\u00e4chsten Tempel wechseln, etwa weil sie dort weiter zur Schule gehen bzw. selbst unterrichten m\u00f6chten. Genauso gut k\u00f6nnen wir einem entlegenen Tempel beitreten, diesen bei Bedarf renovieren und dort der ortsans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung helfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Phra Ajarn Supoj erhebt sich langsam von der Bank und will mir nun einige R\u00e4umlichkeiten im Tempel zeigen. <em>\u201eAch ja, und wusstest du, dass M\u00f6nche insgesamt 227 Regeln befolgen m\u00fcssen, die von Buddha vor fast 2.600 Jahren festgemacht wurden?\u201c<\/em>, l\u00e4chelt er mich verschmitzt an und mir ist nun endg\u00fcltig klar, dass M\u00f6nche ein viel spannenderes Leben f\u00fchren, als ich urspr\u00fcnglich dachte.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-mit-Mo\u0308nchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8864\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-mit-Mo\u0308nchen-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-mit-Mo\u0308nchen-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-mit-Mo\u0308nchen-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-mit-Mo\u0308nchen-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-volunteer-TW1538184-mit-Mo\u0308nchen-30x23.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Unterricht und unterrichten<\/strong><\/h2>\n<p>Bevor wir das eigentliche Tempelgeb\u00e4ude betreten, ziehe ich meine Schuhe aus und stelle sie zur Seite. Drinnen ist es dunkel und angenehm k\u00fchl. Um die M\u00f6nche nicht zu st\u00f6ren, darf ich nicht alle R\u00e4ume betreten. Vorbei am ger\u00e4umigen Essenssaal und einem Schlafraum, in dem die Betten akkurat aneinander gereiht stehen, f\u00fchrt mich Phra Ajarn Supoj daher zum Trakt der Klassenzimmer. Ich habe geh\u00f6rt, dass die Anzahl der Sch\u00fcler und die Klassengr\u00f6\u00dfen stark variieren. So kann es sein, dass eine Klasse vielleicht einmal nur aus f\u00fcnf M\u00f6nchen bzw. Novizen besteht, oder auch mal aus vierzig.<\/p>\n<p>Auch die Altersstruktur ist bunt gemischt. Neben Sch\u00fclern im Grundschulalter und Jugendlichen sitzen je nach Tempel ggf. auch \u00e4ltere M\u00f6nche in den Klassenzimmern. Manche leben, wie Phra Ajarn Supoj, schon fast ihr ganzes Leben im Tempel und wurden in jungen Jahren von ihren Familien hergeschickt, um eine Schulbildung zu erhalten. Wiederum andere treten erst als Jugendliche einem der Tempel bei. Als ob er meine n\u00e4chste Frage bereits erahnt hat, bringt Phra Ajarn Supoj mir die Gr\u00f6\u00dfe seiner Tempelschule n\u00e4her: <em>\u201eDerzeit besuchen 90 Sch\u00fcler unsere Schule, ein paar davon Novizen aus unserem Tempel, die meisten kommen jedoch aus Tempeln aus der Umgebung, die keine angeschlossene Schule besitzen, und den umliegenden D\u00f6rfern. Sie sind zwischen 13 und 18 Jahren alt und jede Klasse hier hat durchschnittlich etwa 10 Sch\u00fcler.\u201c<\/em><\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8867\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-5-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-5-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-5-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-5-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/th-AI-friendsoA-monchschool_-5-30x23.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich blicke mich im Klassenzimmer um. Es ist im Vergleich zwar recht karg ausgestattet, hat aber Holztische und St\u00fchle f\u00fcr alle, eine Tafel mit einem Karton Kreide und an den W\u00e4nden sieht man sogar ein paar \u201eMachwerke\u201c vergangener Volont\u00e4re: Wochentage, Zahlen und einige Redewendungen f\u00fcr den Unterrichtsalltag auf Englisch. Au\u00dferdem eine Reihe B\u00fccher am Ende des Raumes sowie schattenspendende Fensterl\u00e4den, die die W\u00e4rme drau\u00dfen lassen und bei den Sch\u00fclern drinnen f\u00fcr hoffentlich k\u00fchle Kopfe sorgen.<\/p>\n<p>Weiter schildert Phra Ajarn Supoj: <em>\u201eIch unterrichte selbst, buddhistische Studien, Dhamma und Englisch, und komme dabei auch viel in Kontakt mit den Volont\u00e4ren aus aller Welt, die uns im Unterricht unterst\u00fctzen. Sie bringen frischen Wind und sind sehr beliebt. Angefangen als Lehrer zu unterrichten habe ich mit 20 Jahren. Damals war es nur Dhamma, das ich den \u00f6rtlichen Sch\u00fclern beigebracht habe.\u201c<\/em> Apropos \u201edamals\u201c, denn das bringt mich auch schon zu meiner n\u00e4chsten Frage&#8230;<\/p>\n<h2><strong>Warum gibt es \u00fcberhaupt Tempelschulen?<\/strong><\/h2>\n<p>Ein kostenloser Schulbesuch, nicht weit vom Heimatort, mit einem vern\u00fcnftigen Bildungsniveau und guten Zukunftsperspektiven ist f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlich \u2013 nicht jedoch hier in Thailand und auch nicht f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der restlichen asiatischen Bev\u00f6lkerung. Es gibt n\u00e4mlich weit mehr Familien, die nicht im Einzugsgebiet einer Schule und sehr l\u00e4ndlich wohnen. Oftmals k\u00f6nnen sie sich das Schulgeld nicht leisten, haben kein Geld f\u00fcr Schuluniformen, Schuhe, B\u00fccher oder Schreibmaterialien. F\u00fcr sie bzw. f\u00fcr ihre Kinder bilden die kostenlosen Tempelschulen den Rettungsanker und den Schl\u00fcssel in eine hoffnungsvollere Zukunft, erfahre ich von Phra Ajarn Supoj.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8863\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"555\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3-30x23.jpg 30w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/la-gvi-monks_-3.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Tempelschulen fr\u00fcher und heute<\/strong><\/h2>\n<p>Phra Ajarn Supoj holt noch einmal etwas weiter aus. <em>\u201eAn buddhistische Tempel angeschlossene Schulen geh\u00f6rten \u00fcber Jahrhunderte zur Basis der Bildungssysteme asiatischer L\u00e4nder. Sie waren entsprechend weit verbreitet und stellten in l\u00e4ndlichen Gebieten oftmals die einzige Bildungsquelle dar. Im Gegensatz zu staatlichen Schulen m\u00fcssen sie in den meisten F\u00e4llen jedoch f\u00fcr ihr eigenes Bestehen sorgen und sind daher auf Spenden angewiesen. Wenn diese ausbleiben, bleibt der laufende Schulbetrieb auf der Strecke oder den Direktoren bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als sie letztendlich zu schlie\u00dfen.\u201c<\/em> Aus diesen Gr\u00fcnden ist die Anzahl der Tempelschulen seit vielen Jahren leider r\u00fcckl\u00e4ufig. In gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten finden sich heute kaum noch Tempelschulen, da die dort lebenden Familien Wert auf eine m\u00f6glichst umfassende und international ausgerichtete Bildung legen. Sie schicken ihre Kinder daher auf teils kostenpflichtige staatliche oder private Schulen, sodass sie eine \u00e4hnliche Bildung erhalten, wie wir sie von hierzulande kennen.<\/p>\n<p>Ein Gl\u00fcck, dass es diese Tempelschule in Chiang Mai geschafft hat, denke ich f\u00fcr mich und freue mich, dass Phra Ajarn Supoj sowie die anderen M\u00f6nche und Novizen hier so ein angenehmes Zuhause gefunden haben.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8876\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/111.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/111.jpg 500w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/111-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/111-20x30.jpg 20w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Abschied<\/strong><\/h2>\n<p>Ich schaue auf meine Uhr und sehe, dass es bereits abends ist, kurz vor 19 Uhr. Dass gleich zum Gebet gerufen wird, habe ich heute gelernt. \u00dcberhaupt habe ich heute viel gelernt und einen wirklich authentischen Einblick in den Alltag und die Struktur eines m\u00f6nchischen Lebens bekommen. Phra Ajarn Supoj begleitet mich langsam Richtung Ausgang. Auf dem Weg kommen uns drei M\u00f6nche entgegen, die sich bereits zum Gebetssaal begeben. Ich frage mich, ob sie in drei oder vier Jahren noch hier sein werden, wenn ich vielleicht f\u00fcr einen erneuten Besuch zur\u00fcckkomme. Und was ist dann wohl aus den Novizen geworden, die ich heute ebenfalls getroffen habe? Vielleicht werden einige dann selbst Lehrer sein oder ihr Leben einem hilfsbed\u00fcrftigen Tempel und seinen Bewohnern im Hinterland widmen.<\/p>\n<p>Die Schuhe sind nun wieder angezogen, ich presse meine H\u00e4nde vor der Stirn zusammen, senke den Kopf und bedanke mich aufrichtig bei Phra Ajarn Supoj, dass er sich so viel Zeit f\u00fcr mich genommen hat. Er l\u00e4chelt mich an und sagt zum Abschied \u201eAuf Wiedersehen\u201c und irgendwie wei\u00df ich, dass wir uns wiedersehen werden. Das Holztor zur Stra\u00dfe schlie\u00dft sich hinter mir und nach der bed\u00e4chtigen Stille auf dem Tempelgel\u00e4nde empfangen mich die vielen Ger\u00fcche und die Ger\u00e4uschkulisse der Stra\u00dfen Chiang Mais wieder.<\/p>\n<p><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8849\" src=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3.jpg 750w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3-30x20.jpg 30w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aus Partnerbesuch und Telefoninterview entstand diese imagin\u00e4re Reise.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Hast du Lust bekommen, den Alltag als Volont\u00e4r in einer Tempelschule mitzuerleben? Dann bewirb dich jetzt f\u00fcr ein Stipendium! Wir vergeben drei Stipendien &#8211; eines davon f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/freiwilligenarbeit\/stipendien.html\" target=\"_blank\">Freiwilligenarbeitsprojekt in einer Tempelschule in Thailand<\/a>. <\/em><\/p>\n<p><em>N\u00e4here Informationen zu unseren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/freiwilligenarbeit.html\" target=\"_blank\">Freiwilligenarbeits-Programmen<\/a>\u00a0in Tempelschulen in\u00a0<a href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/freiwilligenarbeit-chiang-mai.html\" target=\"_blank\">Thailand<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/freiwilligenarbeit-laos.html\" target=\"_blank\">Laos<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/freiwilligenarbeit-sri-lanka.html\" target=\"_blank\">Sri Lanka<\/a>\u00a0findest du auf unserer Website.<\/em><\/p>\n<p><em>M\u00f6chtest du noch mehr Infos \u00fcber Do&#8217;s &amp; Dont&#8217;s in Tempelschulen, Hintergrundwissen zum Buddhismus und zu Buddha? Dann schau doch mal bei <a href=\"https:\/\/www.travelworks.de\/blog\/?p=8853&amp;preview=true\">diesem Blogbeitrag<\/a> vorbei.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Tempel mit einer gro\u00dfen goldenen Buddha-Statue, in orange Gew\u00e4nder geh\u00fcllte M\u00f6nche, deren Gesichter Weisheit und Achtsamkeit ausstrahlen und die friedliche Stille in den Tempelg\u00e4rten. Unsere Kollegin Jenny hat eine Tempelschule in Chiang Mai, Thailand, besucht und erz\u00e4hlt dir hier von ihren beindruckenden Erlebnissen. 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