Mit dem Rad über die Alpen (1/2): 480 km in 6 Tagen

Für manch einen besteht der perfekte Urlaub aus einer oder gar zwei Woche am Strand liegen mit dem Anspruch, sich so wenig wie möglich zu bewegen: Ausspannen, Abschalten, Faulenzen. Unsere Mitarbeiterin Bianca hat sich in ihrem Urlaub für das Kontrastprogramm entschieden – und hat in 6 Tagen mit dem Rad die Alpen überquert. In Zahlen: 480 km und 10.150 hm. Für alle, die wie ich kein gutes Vorstellungsvermögen was Weite betrifft besitzen: Das ist in etwa die Strecke von Hamburg nach Frankfurt am Main. Ganz klar eine verrückte, aber auch wirklich coole Idee! Deswegen habe ich mir Bianca für ein Interview zur Seite genommen und sie zu ihrer Alpenüberquerung ausgefragt.

10 Die Pillerhöhe, auf ca. 1600mWie kommt man auf die Idee, mit dem Fahrrad über die Alpen zu fahren? Habt ihr so etwas Ähnliches vielleicht schon vorher einmal gemacht?     

„Ja, wie kommt man bitte auf den Trichter. Das wurden wir öfter gefragt.. 😉

Das war eigentlich ziemlich spontan. Im Zuge der Urlaubsplanung hatten wir irgendwie Lust, Aktivurlaub zu machen. Und da mein Mann schon seit einigen Jahren Mountainbike fährt (allerdings nur am Wochenende vielleicht mal für 2Std), hatte er den Vorschlag, wir könnten doch eine Alpenüberquerung machen. Und ohne groß weiter zu überlegen, stand der Plan.“2 überall unglaublich klares Wasser

Wie sah eure Vorbereitung und Organisation vorab aus?

Mein Rad

Biancas treues Gefährt

„Uns war von Anfang an klar, ohne Training ist eine Alpenüberquerung sicher utopisch. Außerdem war ich bislang nur „normale“ Radfahrerin und musste mich erstmal ans Mountainbiken gewöhnen (wie verhält sich das Rad auf verschiedenen Untergründen, über welche Wurzeln, Steine, Treppen kann man problemlos fahren, wann ist der richtige Zeitpunkt zum Bremsen, nutze ich die Vorder-oder Hinterradbremse usw). Als Reisezeitpunkt schien uns der September passend. Noch warm genug, aber nicht zu heiß. Am 01.09. sollte es dann losgehen.

Wir waren dann ab ca. Mitte Mai konsequent jeden Samstag und Sonntag im Wald trainieren. Gestartet sind wir meist in Ibbenbüren. Zum Großteil sind wir im Teutoburger Wald auf dem Hermannsweg unterwegs gewesen. Die Strecke, die wir am häufigsten gefahren sind, führte von dort über Tecklenburg und Lengerich nach Lienen. Kurze Pause und den gleichen Weg wieder zurück. Das waren immer so 70km in ungefähr 5-6 Stunden. Hört sich auf Anhieb komisch an, 70km Radtouren schafft jedermann ja locker in 4 Stunden, aber wenn man gleichzeitig 1500 Höhenmeter zurücklegen muss, kommen 5 Stunden schnell zusammen.

Wir mussten uns schon häufig gegenseitig motivieren, denn während andere bei 36 °C schwimmen waren oder bei 17 °C und Regen auf dem Sofa saßen, hieß es für uns: Ab den Wald!! Gerade, als der September näher kam, hatten wir echt keine Lust mehr auf Training, es sollte endlich mal losgehen. 3 Monate jedes Wochenende…..da mussten wir schon ordentlich Disziplin an den Tag legen…

1) Zu allererst ging‘s um’s ganz grundlegende: Ich brauchte ein Mountainbike… 🙂 Dazu mussten wir noch die restliche Ausrüstung besorgen: Helm, Rucksack (unser „Kleiderschrank“ während der gesamten Tour, Luxus war nicht), ordentlicher Sattel und gepolsterte Fahrradhose (Popo-Schmerzen sind echt kein Spaß), Handschuhe, Regenschutz, Erste-Hilfe-Set und und und…

8 Man beachte den unglaublich dreckigen Po...;-D

2) Die entscheidende Frage, die sich dann natürlich stellte war: Von wo nach wo wollen wir eigentlich fahren? Wieviel Höhenmeter trauen wir uns zu und wie viele Tage wollen wir unterwegs sein.

1 Wie gesagt...erster Tag war wettermäßig durchwachsenHierzu hatten wir im Internet recherchiert und diverse Websites und Foren gefunden. Es war recht schnell klar, dass wir von Garmisch-Partenkirchen bis zum Gardasee fahren wollten und das Ganze schien in 6 Tagen gut machbar zu sein. Jetzt blieb nur die Frage, wie genau stricken wir die Route, damit wir nicht über- aber auch nicht unterfordert sind. Eine kleine Challenge sollte das ganze natürlich schon werden. Durch die Internetrecherche hatten wir diverse Zwischenpunkte gefunden, die wir gern befahren wollten. Die größte Herausforderung sollte dann am dritten Tag auf uns zukommen. Hier wollten wir die Uina-Schlucht bezwingen. Ein MUSS für jeden Mountainbiker, der in den Alpen unterwegs ist. Das bedeutete allerdings: 1200hm auf 10km und das ist schon ne echte Hausnummer.

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Die Uina-Schlucht gehörte zu den Highlights der Tour

Letztendlich hatten wir eine GPS-Route gefunden, die passend war und die wir im Großen und Ganzen gut übernehmen konnten. Die konnten wir runterladen und auf’s Handy aufspielen, welches dann während der gesamten Tour als Navi diente. 18Für den Uina-Tag hatten wir vorsichtshalber eine Alternativ-Route in petto, falls wir nach den ersten Tagen zu erschöpft gewesen wären, um die Schlucht zu erklimmen.

(Waren wir aber nicht :-), wir haben’s die Steigung hoch (wenn auch teilweise mit Schieben) und durch die Uina-Schlucht hindurch geschafft und es war bombastisch!!)

3) Und für uns ganz wichtig: Mitglied werden in der Bergrettung. Vorsorge ist das A und O. Man weiß ja nie, was ein Aktivurlaub so mit sich bringt und wenn ganz oben, allein auf dem Berg, tatsächlich was Schlimmes passiert, ist man froh, dass man die 15.000€ für den Heli nicht selber zahlen muss…;-)“

3Welche Strecke seid ihr gefahren? 

„Garmisch-Tarrenz-Nauders-Morter-Leifers-Mezzolombardo-Riva del Garda. Wir sind übrigens mit dem Auto nach Garmisch, von dort mit dem MTB zum Gardasee,  mit dem Zug zurück nach Garmisch und dann wieder mit dem Auto nach Hause.“

Wie viele Kilometer habt ihr am Tag geschafft?

„Unsere Tour hatte im Endeffekt eine Gesamtlänge von 480km und 10.150hm. Pro Tag sind wir zwischen 62 und 117km und 1100 und 2200hm gefahren.

Wir hatten auch vorab bereits die Hotels an den entsprechenden Etappenzielen gebucht, sodass eine Verkürzung oder Verlängerung nicht möglich war. Das fanden wir aber auch ganz gut. Ich glaube, man könnte ansonsten schnell auf den Gedanken kommen „Puh, ich kann nicht mehr, lass uns mal jetzt schon stoppen“. Außerdem waren wir am Ende der Tagestour schon auch immer froh, direkt in das geplante Hotel zu können und nicht noch lang nach einer Unterkunft suchen zu müssen.

Zumal uns äußerst wichtig war, dass wir die Fahrräder sicher unterbringen können.“

Wie sah euer typischer Tagesablauf auf der Tour aus?

„Aufstehen so 07:00Uhr, Fahrradklamotten anziehen, frühstücken, Rucksack packen, Navi an und ab auf’s Rad (spätestens um 09:30Uhr).

4Während der Tour gab’s immer eine etwas längere Mittagspause (allerdings max. 1 Stunde) und mehrere kleine zum Essen, Trinken, Fotografieren oder einfach mal, um die Umgebung zu genießen. Wir sind wirklich an vielen schönen Stellen vorbeigekommen, an denen ein kurzer Zwischenstopp einfach sein musste und den ersten Schnee hatten wir Anfang September dann auch schon gesehen…:-)

Nach Ankunft (meist zwischen 18:00 und 19:00Uhr) dann duschen, Klamotten durchwaschen, Abendessen, schlafen.“

Das war der erste Streich – der zweite folgt sogleich. Teil 2: Von einem Unfall auf der Strecke und einem in den Alpen verschollenen Ehering 😉

Kerstin Hedwig

Kerstin hat im Marketing Team bei TravelWorks gearbeitet. Obwohl sie ihr Herz längst an die grüne Insel Irland verloren hat, gibt es noch viele Orte, die von ihr entdeckt werden wollen und das am liebsten fernab der Bequemlichkeit eines Hotelbetts. Ein Roadtrip durch die USA, Schlafen am Strand in Mosambik und einmal in einem Leuchtturm übernachten sind nur einige der vielen Punkte auf Kerstins Reise-To-Do-Liste.

2 Kommentare

  1. Jörg   •  

    Krasse Geschichte. Und ich beschwer mich schon, wenn ich jeden Tag 9 km nach Wolbeck fahre…

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