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Ozeanien

“No worry, no hurry, you will learn English”

Sprachschulen gibt es viele. Warum unsere Sprachschule in Coromandel die etwas andere Sprachschule ist, durfte ich auf meiner Reise durch Neuseeland selbst austesten. Zwei Tage lang mischte ich mich unter die Sprachschüler – und wünschte mir am Ende, ich hätte mehr Zeit dort verbringen können. Aber nun erstmal von vorne.

Das kleine Küstenstädtchen Whitianga (das “Wh” spricht man wie ein “F”) liegt auf der dünn besiedelten Halbinsel Coromandel auf der Nordinsel Neuseelands. Reisende werden hier von paradiesischen Stränden und wilden Autofahrten durch unberührte Natur in Empfang genommen.

nz-COL-Schulgebäude (3)Die Sprachschule ist klein und familiär. Geführt wird sie von Kim und Robyn – zwei unheimlich herzliche, lustige Kiwis, deren entspannte, offene Art sich in jedem Winkel der Schule, in den Schülern und auch den Lehrern widerspiegelt. Morgens treffen die Schüler vor dem Unterricht auf der Veranda aufeinander – jeder kennt jeden beim Namen, Lehrer, Schüler und Angestellte plaudern miteinander, ehe es zum Unterricht geht. Auf der anderen Seite der Straße liegt bereits das Wasser und kleine Boote dösen vor sich hin. Für die Lage der Schule vergab ich also bei meiner Ankunft schon einmal geistig eine 1.

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Kim, ich und Robyn

Bevor es in den Unterricht geht, finden sich jeden Montagmorgen alle Sprachschüler zusammen, um die Neuankömmlinge mit einem gemeinsamen Lied zu begrüßen – natürlich auf Maori! Eine gute Gelegenheit für mich um festzustellen, dass es mir auch mit 26 Jahren immer noch unangenehm ist, „vor die Klasse gerufen zu werden“. Aber zumindest war ich nicht allein. Mit mir starteten eine Dame aus der Schweiz und zwei Mädchen aus Italien und Österreich. Generell trifft man in der Schule viele Schüler aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus Saudi-Arabien und Asien – gesprochen wird aber ausschließlich auf Englisch. Das gilt natürlich auch für alle, die Deutsch konnten. Auch in Sachen Alter waren die Klassen bunt gemischt. Für uns neue Schüler ging es nach dem Begrüßungs-Ständchen zum Englischtest. Ich weiß nicht genau, wann ich das letzte Mal in meinem Leben einen Englischtest schreiben musste, und obwohl der Test für mich, die nur zwei Tage in der Schule sein würde, nicht viel bedeutete, war ich trotzdem nervös. Aber alles ging gut und ich durfte im Upper Intermediate-Kurs mitmischen.IMG_8956

Grundsätzlich haben die Schüler im Coromandel Outdoor Language Centre zwei Möglichkeiten. Morgens findet für alle Englischunterricht je nach Niveaustufe statt. Am Nachmittag kann man sich entweder für weitere Unterrichtseinheiten oder Aktivitäten entscheiden. Und hier tut sich die Sprachschule im Vergleich zu anderen Schulen hervor – wer Lust hat, täglich Neues auszuprobieren und nicht nur sprachlich, sondern auch in Sachen Erlebnis möglichst viel aus seinem Besuch in Neuseeland rauszuholen, der ist in Whitianga richtig. Ich warf einen Blick auf den Aktivitätenplan für die Woche und wusste, dass der Englischunterricht am Nachmittag mich nicht reizen konnte 😉 IMG_8959Ähnlich geht es vielen Schülern, die an die Schule kommen, um auch nachmittags am Englischkurs teilzunehmen, dann aber schnell zu den Aktivitäten wechseln. Am Wochenende können dann alle Sprachschüler an verschiedensten Ausflügen teilnehmen, beispielsweise nach Rotorua, Hobbingen, zur nahe gelegenen Cathedral Cove und dem Hot Water Beach oder zu weiteren der vielen Sehenswürdigkeiten Neuseelands.

Nach dem Sprachtest ging es für uns nicht direkt in die Klassen. Stattdessen nahm Sprachschulchef Kim uns mit auf eine Rundfahrt durch Whitianga. Der Ort ist überschaubar und hat dennoch alles, was man so braucht: kleine Boutiquen, zwei Supermärkte, ein Touristeninformationszentrum, Restaurants, Bars und ein interessantes Netz aus Kanälen, dass es vielen Hausbewohnern ermöglicht, ihr Boot direkt „im Garten“ zu parken. Doch wer hierher kommt, kommt weniger für die Stadt und wohl eher für die atemberaubende Natur, die vielen kleinen Buchten, Strände und den Blick aufs Wasser, den man in Whitianga von fast überall genießen kann. Während es in den Örtchen das ganze Jahr eher ruhig zugeht, ist um Weihnachten rum der Teufel los – denn der Ort ist ein beliebtes Urlaubsziel der Kiwis und die Stadt füllt sich während der Feiertage. Ich war ganz froh, dass ich diesem kurzen Spektakel aus anreisenden Familien mit ihren Booten entgehen konnte. Neben der kleinen Stadtrundfahrt bot Kim uns auch einen Einblick in die Geschichte der Stadt. Nicht nur siedelten hier erste Maori-Stämme vor tausend Jahren, auch einige der ersten Europäer, unter anderem James Cook, landeten hier.IMG_8961

Nach der kurzen Mittagspause, für die die Sprachschüler einen Shuttle-Service in die Stadt und zurück zur Schule nutzen können, machten wir uns am Nachmittag auf zur ersten Aktivität in dieser Woche: Coastal Exploring. Aktivitäten-Koordinatorin Bernice versorgte uns in der Schule mit Neoprenanzügen und los ging’s zu einem kleinen Nachmittags-Abenteuer, das diesen Tag zum „Besten ersten Schultag überhaupt“ küren würde. 1501235_946637332031651_2490431741640730624_o10856449_946637975364920_3869126209337608994_o

Wir fuhren etwa 20 Minuten, bis wir einen Strand erreicht hatten, der nach links und rechts in eine felsige Küstenlandschaft auslief. In unseren Anzügen – ich war froh, dass kein Spiegel zur Hand war, denn mein Gott, muss ich albern ausgesehen haben 😀 – begannen wir, über die felsige Küste zu klettern, entdeckten Seesterne, probierten Austern und fanden lustige Muscheln. Richtig spannend wurde es dann, als wir endlich von einem Felsen aus ins Wasser springen durften. Vor uns im Fels klafften zwei Höhlen auf, die schlauchartig verbunden waren. Drinnen war es recht düster, wilde Wellen schubsten uns hin und her und jede hereinrollende Welle erforderte das hastige und kräftige Festhalten am nächstgelegenen Stein. Was hier vielleicht für den ein oder anderen etwas unbehaglich klingt, war ein riesen Spaß! Bernice wusste zu jeder Sekunde genau, was sie tat und hatte ein Auge auf die Schüler, denen die Wellen etwas ungeheuer waren.10750066_946637205364997_2833934849947318339_o

IMG_9027Am zweiten Tag durfte ich dann meiner ersten – und leider einzigen – Stunde Englischunterricht beiwohnen. Die Klasse, in die ich eingeteilt wurde, war klein, gerade einmal acht Schüler fanden sich darin, sodass bei jeder Übung alle ausreichend an die Reihe kam. Die Übungen waren abwechslungsreich, mal wurde geschrieben, mal geplaudert und die Zeit verging schneller als mir lieb war. An diesem Nachmittag konnte ich noch beim „Bush Survival Training“ mitmachen und lernen, wie man sich am besten versorgt, wenn man im Wald verloren geht, wie man schnell gefunden wird und was man vermeiden sollte. Leider war dies schon die letzte Aktivität, bei der ich mitmachen konnte, da meine Reise mir nur zwei Tage in der Schule ließ. Wehmütig warf ich einen Blick auf den Wochenplan: Ich würde Tauchen, Bogenschießen und typische Kiwi-Küche verpassen.

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Bei den Aktivitäten können die Schüler übrigens nicht nur viel erleben, sondern auch viel lernen. „Outdoor“ heißt nicht nur Erlebnis, sondern auch Bewusstsein schaffen für die eigene Umgebung. Kim, der Leiter der Schule, hat unter anderem ein Projekt auf die Beine gestellt, um den Bestand der Kauri-Bäume zu sichern. Diese Bäume, die sehr alt, sehr groß und sehr breit werden können (bis zu 26m Umfang!), wuchsen früher fast überall in Coromandel. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Europäer auftauchten und beschlossen, die tausend Jahre alten Bäume zu fällen. Heute sind nicht mehr viele der ganz alten Exemplare übrig. Der älteste Baum Neuseelands wird auf 2000 Jahre geschätzt, die Exemplare, die die Siedler in Neuseeland fällten, dürften wesentlich älter gewesen sein. In seinem eigenen Garten hat Kim eine kleine Baumschule für Kauri-Bäume eingerichtet, um deren Pflege er sich auch mit der Hilfe von Schülern kümmert. Aktuell arbeitet er daran, die Schule in ein Projekt zum Schutz der Kiwis zu involvieren.IMG_8987

Für wen ist die Sprachschule also das Richtige? Ich kann mir kaum jemanden vorstellen, der in dieser Schule nicht glücklich werden würde. Viele der Schüler, die die Schule besuchen, kommen auch ein zweites Mal – ich finde, das spricht für sich. Klar, wer eine Metropole auf seiner Sprachreise erleben will, ist hier sicher an der falschen Adresse. Wer neben seinem Sprachkurs so viel wie möglich von Land und Leuten kennen lernen, sehen und erleben will, viel Neues ausprobieren möchte und die vielen Vorteile einer kleinen Sprachschule zu schätzen weiß, dem kann ich das Coromandel Outdoor Language Centre wärmstens ans Herz legen. Zu alle dem gibt’s viele freundliche Gesichter und sympathische Sprachschul-Mitarbeiter oben drauf. Von mir also in jedem Fall ein Daumen hoch 🙂 Die Reise ans andere Ende der Welt lohnt sich in jedem Fall! Übrigens: Ein Besuch der Schule lohnt sich nicht nur im Winter, wenn in Neuseeland sommerliche Temperaturen herrschen, sondern auch im Sommer, wenn es auf der Nordinsel etwas milder, aber in keinem Fall so winterlich kalt zu geht wie bei uns.

In diesem Video könnt Ihr Euch noch einen kleinen Eindruck vorab verschaffen 🙂

Von Kerstin Hedwig

Kerstin hat im Marketing Team bei TravelWorks gearbeitet. Obwohl sie ihr Herz längst an die grüne Insel Irland verloren hat, gibt es noch viele Orte, die von ihr entdeckt werden wollen und das am liebsten fernab der Bequemlichkeit eines Hotelbetts. Ein Roadtrip durch die USA, Schlafen am Strand in Mosambik und einmal in einem Leuchtturm übernachten sind nur einige der vielen Punkte auf Kerstins Reise-To-Do-Liste.

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