Die Bedrohung der Riffe

Was ist das Erste, an das du denkst, wenn du „Korallenriff“ hörst? Wahrscheinlich direkt an das Great Barrier Reef oder Disney’s Meisterwerk „Findet Nemo“. Seit Millionen von Jahren gibt es Riffe in den Meeren dieser Welt – ein Lebensraum vieler Meerestiere. Doch die Korallenriffe sind in Gefahr! Ist es bald vorbei mit dem wunderschönen Anblick unter Wasser? Was können wir tun, um den Erhalt zu sichern?

Was ist eigentlich ein Riff? 

Als Riff wird alles bezeichnet, was eine fest belebte Struktur unterhalb der Wasseroberfläche ist. Eine farbenfrohe Welt aus Korallen und Fischen so weit das Auge reicht – was uns hier vorschwebt ist ein tropisches Riff, das nur unter bestimmten Bedingungen entstehen und wachsen kann. Korallenriffe zählen zu den artenreichsten und empfindlichsten Ökosystemen der Welt und sind oftmals über Tausende von Jahren entstanden. Die meisten Korallen leben nur rund 40 bis 50 Meter unter der Wasseroberfläche. Sie sind auf Sonneneinstrahlung und eine Wassertemperatur von über 20°C angewiesen. Das Grundgerüst der bankförmigen Riffe bilden die Weichkorallen. Zusammen mit Steinkorallen, Schnecken, Algen und Fischen, die für Statik, Stabilität und Schutz zuständig sind, formen sie eine Gemeinschaft, die den Strömungen des Meeres standhält.

Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens ist das weltweit größte dieser Riffe und erstreckt sich über 344.000 km². 1981 erklärte die UNESCO es zum Weltnaturerbe. Wegen seiner Artenvielfalt und Einzigartigkeit gilt es auch als eines der sieben „Weltwunder der Natur“. 3.000 Korallenriffe, 600 Inseln, 1.625 Fischarten, 133 Hai- und Rochenspezies und rund 600 verschiedene Weich- und Hartkorallen weist das Meeresschutzgebiet rund eigenen Angaben auf. Mit einer Fläche von 24.000 km² nicht minder beindruckend ist das Neukaledonische Barriereriff, das die Hauptinsel Neukaledoniens umgibt.

Was bedroht die Riffe?

Riffe sind faszinierende, wichtige, aber auch sehr fragile Lebensräume. In den letzten 50 Jahren hat die Riffzerstörung massiv zugenommen. Schmuck aus roter Koralle war eine der ersten Bedrohungen, über die gesprochen wurde, aber letztlich nur ein Vorbote von dem, was sich heute in den Meeren abspielt. „Eigentlich gibt es drei Hauptfaktoren, die den Korallenriffen weltweit zusetzen“, so Oliver Hauck, Umweltwissenschaftler und beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) engagiert. „Allen voran der Klimawandel, denn die generelle Erderwärmung führt zu veränderten Strömungsmustern in den Meeren und steigert die Wassertemperatur. Durch die erhöhte CO2-Konzentration in der Luft nimmt zudem die Versauerung des Wassers zu. Dies führt bei vielen Korallenarten zu einem verringerten Wachstum.

Das nächste Problem ist die starke Vermehrung von Fressfeinden der Riffbewohner, wie Seesterne, -igel und -gurken, da deren natürliche Feinde weggefischt wurden und werden. Zudem führt ein stark erhöhter Nährstoffeintrag – etwa Dünger aus der Landwirtschaft und ungeklärte Abwässer – dazu, dass die Masse an Algen zunimmt. Die Algen wiederum trüben das Wasser, so dass die Riffe nicht mehr ausreichend Sonnenlicht erhalten. Vor allem an dicht besiedelten Küsten, wie in Asien oder in der Karibik, ist dies der Fall.“

Das Dynamitfischen, der gezielte Fisch- und Meerestierfang für die Salzwasseraquaristik und auch die traditionelle asiatische Medizin tragen ebenso zur Zerstörung der Riffe bei. Sie verändern das Artenspektrum und tragen somit dazu bei, dass die Riffe ökologisch verarmen.

All diese Problematiken haben sich in den letzten Jahren verschärft, sodass die Riffe heute stärker denn je bedroht sind. Gleichzeitig hat sich auch unser Bewusstsein für die Riffzerstörung verändert, etwa durch vermehrte Berichterstattung und die gestiegene Zahl von Reisenden und Tauchern, die Veränderungen vor Ort wahrnehmen und weitergeben. Neu ist diese Bedrohung jedenfalls nicht!

Was können wir tun, um der Zerstörung entgegen zu wirken?  

Zum Glück gibt es viele Korallenarten, die recht anpassungsfähig sind und langfristig mit den veränderten Lebensbedingungen zurechtkommen können. Sie benötigen allerdings Zeit für die Anpassung. Außerdem gilt es, zusätzliche Stressfaktoren, z.B. durch die Fischerei, zu minimieren. Schutzgebieten, in denen menschliches Eingreifen untersagt oder streng reguliert ist, kommt eine besondere Bedeutung zu. Ziel sollte es, laut Oliver Hauck, sein, mindestens 10 % der Meeresfläche unter strengen Naturschutz zu stellen. Von solch umfangreichen Schutzflächen sind wir heute allerdings noch weit entfernt. Weitere Anstrengungen zur Ausweisung von Schutzgebieten sollten daher unbedingt forciert werden.

Außerdem ist grundsätzlich alles, was dem Klimaschutz dient, auch ein Beitrag zum Riffschutz. „Und natürlich kann man auch als Tourist etwas tun. Verzichtet auf den Verzehr exotischer Fische, kauft keine getrockneten Seesterne, Muscheln oder Seepferdchen und seid euch darüber im Klaren, dass viele Aquarienfische nicht etwa extra gezüchtet, sondern aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen wurden“, so Olivers Appell.

Auch der Tauchtourismus beeinträchtigt die Riffe. Denn Tauchstationen müssen samt Anleger und Touristen versorgt werden. Darüber hinaus beschädigen unachtsame Taucher Korallen und Souvenirjäger zeigen keinen Respekt für die einzigartige Unterwasserwelt. Andererseits ist der Tauchtourismus auch eine Chance für die Riffe. Schließlich hat eine Tauchschule großes Interesse daran, dass das Hausriff nicht zerstört wird. „Meiner persönlichen Meinung nach sollten sich Tauchschulen und -lehrer mehr engagieren, der einheimischen Bevölkerung den Lebensraum Riff näherzubringen, sei es z.B. durch Informationsveranstaltungen oder kostenlose Tauchgänge für Jugendliche. Viele Einheimische in den Problemgebieten wissen gar nicht, auf was für einem Schatz sie sitzen“, so Oliver.

Aber zurück zu den Korallen…

Auf unsere Frage, ob sich die Korallen auf Dauer an das wärmere Wasser gewöhnen, also evolutionär anpassen, antwortet Oliver: „Natürlich werden nicht sämtliche Korallen auf einmal aussterben, wobei das Zusammenspiel aller genannten Faktoren das eigentliche Problem ist und nicht nur der extrem schnell fortschreitende Klimawandel. Eine Anpassung an alle Probleme gleichzeitig ist dann schon eine Herausforderung, die die meisten Korallenarten kaum schaffen werden.“ Relativ ernüchternde Worte, die der Situation angemessen sind. Denn eines steht fest: Die Ausweichmöglichkeiten in die kühleren Gewässer Richtung Polkappen sind begrenzt. Die Nordsee z.B. hat nicht das Potential, in Zukunft Nemo und Co. ein neues Heim zu bieten. „Die hohen Nährstoffgehalte und das trübe sowie kältere Wasser bieten den tropischen Korallen hier keine Chance. Dies gilt für fast die gesamte Nordhalbkugel und im Süden fehlt es einfach an geeigneten Landmassen bzw. flachen Stellen.“

Nichtsdestotrotz wird es natürlich noch eine ganze Weile Korallenriffe geben, wenn auch vermutlich deutlich artenärmer und weniger bunt als heute.

Was sind die Konsequenzen?

Und was bedeutet die Zerstörung der Riffe eigentlich langfristig für den Menschen? Für uns Europäer klingt dies auf den ersten Blick vielleicht nur nach weniger exotischeren Fischen auf dem Speiseplan und einer nicht mehr so kunterbunten Unterwasserwelt für alle Tauchfreunde. Für die Länder in der Region der Korallenriffe hingegen droht nicht nur der Verlust der traditionellen Ernährungsweisen, sondern auch ein massives Küstenschutzproblem. Riffe übernehmen vielerorts die Funktion von Wellenbrechern. Verschwinden sie, sind viele der kleinen Inselparadiese den tropischen Stürmen und Strömungen schutzlos ausgesetzt. Sie würden in kürzester Zeit zerstört und verschwinden.

 

Umso wichtiger ist es, dass sich betroffene Staaten und unabhängige Organisationen wie „Reef Check“ heute gezielt für den Erhalt der Riffe einsetzen und weltweit Untersuchungen durchführen, um der Zerstörung mit gezielten Gegenmaßnahmen Einhalt zu gebieten. Die australische Regierung etwa hat einen Nachhaltigkeitsplan bis zum Jahr 2050 erstellt. So sollen umgerechnet 1,3 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren zugunsten des Great Barrier Reef Marine Parks ausgegeben werden.


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Redaktion

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