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Ozeanien

Einfach mal vor der Arbeit fliehen und in die Lüfte fliegen

Mission Curiosity – Aufgabe 12 – Action in der Luft

Als ich am letzten Donnerstag ins Büro der Wohnmobil-Vermittlungs-Firma gekommen bin, für die ich ein paar Webdesign-Aufgaben abarbeite, erwartete ich noch an einen normalen Arbeitstag ohne großartige Erlebnisse. Doch es stellte sich heraus, dass es einer der Adrenalin-trächtigsten Tage meiner bisherigen Zeit in Neuseeland werden sollte.

Ich sitze mit dem Eigentümer des Unternehmens in einem Büro, sodass er mir immer über die Schultern schauen kann und wir so gemeinsame Lösungen für die Webseiten-Probleme erarbeiten können. Es ist interessant, so nahe am Geschehen zu sein, und direkt mitzukriegen, was in der Firma so vor sich geht. Und an diesem einen Tag hatte ich einen weiteren Vorteil, den Chef als Büro-Nachbarn zu haben.

Muffensausen kurz vor dem Start
Muffensausen kurz vor dem Start

Aus heiterem Himmel (im wahrsten Sinne des Wortes) fragte er mich plötzlich, ob ich gerne „Fliegen“ mag. Ich dachte zuerst an die kleinen, fliegenden Insekten, da im Büro auch oft über Angeln gesprochen wurde und ich die Viecher in dem Moment des Gesprächs als potentielle Köder dafür wahrgenommen habe. Doch er klärte mich auf: Es gehe um das Fliegen mit einem Sportflugzeug. Ich hab ihm nur geantwortet, dass ich das noch nie gemacht hätte, also nicht genau weiß, ob es mir gefallen würde. Kurz darauf sagte er zu mir: „Ich hole Sie also in zehn Minuten ab!“ – und weg war er. Nach der angegebenen Zeit war er wieder da, mit seinem Auto, in das er mich hineinbat, und schon fuhren wir los.

Das Ziel war Rangiora etwa 40 Minuten entfernt, wo ein kleiner Flugplatz auf ein paar zusammenhängenden Feldern erschlossen wurde. Hier standen mehrere Hangars mit kleinen Propeller-Maschinen, Hubschraubern oder anderen lustigen Luftgefährten darin. In einer der Hallen stand seine ZK-PKT, was auch immer diese Abkürzung bedeuten sollte. Mir war das in diesem Moment scheißegal, da langsam ein mulmiges Gefühl in mir erwachte. Warum mache ich das? Ich hab doch eigentlich ein bisschen Höhenangst! Und fliegen im Passagier-Flugzeug hasse ich doch grundsätzlich auch!

sportfliegen-rangiora-canterbury-neuseelandJetzt war es zu spät. Ich stieg in die Maschine ein, Volkmar (so der Name meines Chefs) schloss die Kabine über uns und wir fuhren langsam und holprig auf die Startbahn. Das kann ja heiter werden… dachte ich mir nur. Und auf einmal waren wir schon in der Luft. Ich hab es gar nicht so richtig mitbekommen, da der Anlauf eines so kleines Fliegers deutlich geringer ausfällt als bei einer riesigen Passagier-Maschine. Ich schmunzelte erst, weil ich es gar nicht schlimm fand. Doch dann zog er hoch – von mir Naivling völlig unvorhergesehen – und mein Mageninhalt drehte sich einmal herum. Das Adrenalin schoss mir nur so durch die Adern.

Amaturenbrett, Propeller und Aussicht
Amaturenbrett, Propeller und Aussicht

Als wir dann auf einer Höhe von 1.700 Fuß angekommen sind, war der Ausblick herrlich. Er flog uns zur Küste nördlich von Christchurch, wo der Ashley River wunderschön ins Meer floss. Weite Felder der Canterbury Plains unter uns, die Südlichen Alpen in weiter Ferne auf der linken Seite und der unendliche Pazifik auf der rechten. Einfach traumhaft.

Auf dem Rückweg sagte er dann unerwartet „Sie sind dran! Übernehmen Sie mal den Steuerknüppel.“ – und schon hatte ich ihn der Hand und flog sein Sportflugzeug. Meine Hand schwitzte, mein Herz klopfte und ich staunte mit offenem Mund. Linkskurve, Rechtskurve, nach oben, nach unten. Ich kann fliegen! Aber mehr traute ich mich und gab das Steuer wieder ab, beruhigte meine Nerven und genoss bis zum Flughafen zurück nur noch die atemberaubende Aussicht.

Pazifik, Canterbury Plains und Vororte von Rangiora
Pazifik, Canterbury Plains und Vororte von Rangiora

Die Landung war dann noch einmal aufregend, für mich immer die schlimmste Phase eines Fluges. Es musste abrupt die Geschwindigkeit verringert werden, was das Fluggerät wackeliger werden ließ. Doch genauso schnell wie wir in der Luft waren, waren wir auch wieder auf dem Boden. Das viertelstündige Vergnügen wird mir immer in Erinnerung bleiben und war tausendfach besser als arbeiten! Auf dem Rückweg ins Büro kaufte ich meinem Chef ein Eis und einen Kaffee als Dankeschön für das tolle Erlebnis, für das er sonst nichts von mir verlangte. Einfach unbeschreiblich nett!

Von Stephan Braun

Stephan aus München war unser Entdecker 2014/2015. Seine Weltreise führte ihn nach Südafrika, Australien, Neuseeland und Vietnam. In seinem eigentlichen Leben ist er Grafikdesigner und liebt es in seiner Freizeit seinen Hobbys nachzugehen: Freunde treffen, ins Kino gehen, kochen, wandern, Rad fahren, fotografieren und natürlich reisen. Er hatte fast acht Monate Zeit, um für uns die letzten Geheimnisse der Welt zu lüften.

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