Sprachliche Missverständnisse auf Reisen

Steaks

„Would you like the coffee to go?“ – „No, I want the coffee to here“. Eine Reise beschert nicht nur einen Einblick in fremde Kulturen, neue Erfahrungen und tolle Erinnerungen, sondern auch eine Konfrontation mit sprachlichen Barrieren und kulturellen Missverständnissen. In Deutschland kann man sich gegenseitig mitunter bereits durch unterschieldiche Dialekte missverstehen. So buchte eine Sächsin statt des gewünschten Fluges nach Porto in Portugal einen Flug nach Bordeaux (gesprochen „Bordöo“) – die Mitarbeiterin des Reiseunternehmens hatte ihren Dialekt nicht verstanden.

Top 5 Missverständnisse auf Reisen

1. „Ich hätte gerne einen Schwanz!“

Uns vertraute Produktnamen können im Ausland ganz andere Dinge bedeuten, als wir gewohnt sind. Auf Reisen kann das durchaus unangenehm werden. In Spanien und Lateinamerika sei beispielsweise davor gewarnt, eine „Cola“ zu bestellen – und das nicht nur wegen den Kalorien. Denn was für uns die prickelnde schwarze Blubberbrause bezeichnet, verleiht dort dem männlichen Geschlechtorgan seinen Namen.

2. „Wann werde ich ein Steak?“

SteaksDie Mutter aller Missverständnisse ist und bleibt die Sprache selbst. Wer die Sprache des Landes nur in Bruchstücken beherrscht, muss sich nicht nur mit Händen und Füßen behelfen, sondern auch auf mögliche peinliche Situationen einstellen. Beispiele hierfür gibt es zuhauf, natürlich hat jede Sprache seine Klassiker. So auch im Englischen. Obwohl das englische Wort „become“ und das deutsche „bekommen“ doch so wunderbar ähnlich daherkommen und intuitiv für die Übersetzung des jeweils anderen Wortes gehalten werden können, so wenig sollte man dieser mutmaßlichen Verwandtschaft trauen! Wer sich im Restaurant nach dem Verbleib seines Essens mit „When will i become the steak?“ erkundigt, könnte damit großes Gelächter auslösen. Denn „become“ heißt nicht etwa „bekommen“, sondern „werden“.

3. Obacht bei Gesten

Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten kann man sich in die tiefen Nesseln interkultureller Missverständnisse setzen. Während wir mit einem Daumen nach oben Zustimmung signalisieren, kommt die Geste etwa im Nahen Osten einem ausgestreckten Mittelfinger gleich. Auch in Australien und Nigeria gilt hier: Obacht! Der Daumen nach oben bedeutet hier: „Hau ab!“

Geste: Alles okWer mit zusammengeführtem Daumen und Zeigefinger Lob oder ein „OK“ geben will, wird seinem Gegenüber in Tunesien, Russland, Malta und Griechenland damit ein freundliches „Arschloch“ zu verstehen geben.

Auch dem Drang, neugeborenen Kindern über den Kopf zu streicheln, sollte man – ganz gleich, wie süß sie auch sein mögen – in Japan nicht nachgeben. Diese Geste wird dort als beleidigend empfunden.

4. „Ich hätte jetzt gerne eine Schwuchtel.“

Als ob nicht schon alles kompliziert genug wäre: Auch bei perfekter Beherrschung der englisch Sprache sollte man genau beachten, in welchem Teil der Welt man sich gerade aufhält. Denn mitunter können zwischen dem Gebrauch einzelner Wörter in den USA und England Welten liegen. Während die Frage nach einem „rubber“ in Großbritannien kein großes Aufsehen erregen dürfte, könnte das in den USA ganz anders aussehen. Denn hier bedeutet „rubber“ nicht Radiergummi, sondern Kondom. Auch „I really need a fag right now“ könnte in den USA wesentlich anders rüberkommen als in Großbritannien. Denn während man im britischen Königreich damit dem Wunsch nach einer Zigarette äußert, formuliert man in den USA, wie gern man gerade eine „Schwuchtel“ zur Stelle hätte.

5. Hupen ist wie Blinken, nur anders…

Sogar beim Autofahren können sich die Kulturen missverstehen. Während wir unsere Hupe vornehmlich dafür benutzen, andere Autofahrer auf ihre Fehler hinzuweisen oder sie zum etwas rasanteren Fahren zu bewegen, kündigt man in mediterranen Ländern durch ausgedehntes Hupen vor einer unübersichtlichen Kurve an: „Hier komme ich!“

Blinken wird hierzulande allgemein als Signal zum Abbiegevorgang genutzt. In Ägypten hingegen werden Manöver zum Abbiegen lieber spontan und ohne Vorwarnung durchgeführt, während der Blinker herhalten muss, um auf bevorstehende Kurven hinzuweisen. Überholmanöver werden hier ebenfalls durch Hupen angekündigt.

Wenn Sie sich selbst in einem fremden Land sagen müssen „I only understand railstation“ ist das auch kein Problem. Sagen sie sich selbst: „It is me sausage!“ Denn sprachliche und kulturelle Missverständnisse gibt es zur Genüge: Früher oder später trifft es jeden. Abhilfe kann eine Beschäftigung mit der Kultur im Vorfeld schaffen. Aber auch eine Sprachreise vor Ort kann nicht Schaden und ist in jedem Falle empfehlenswert.

EDIT am 6. August 2014:

Thomas Jansen hat zu einer Blogparade zum Thema „Pleiten, Pech und Pannen auf Reisen“ aufgerufen. Auf seiner Seite findet ihr noch weitere Missverständnisse, Pleiten und Pannen, die anderen Menschen auf Reisen passiert sind.

Hast Du weitere Missverständnisse mit Fremdsprachen? Dann teile sie doch mit uns in den Kommentaren!

Jörg Aschendorff

Jörg Aschendorff arbeitet im Online Team bei TravelWorks und ist reisesüchtig. Vor allem im östlichen und südlichen Afrika hat er sich in den letzten Jahren herumgetrieben. Aber auch die USA sowie West- und Südeuropa haben es ihm angetan. Sein nächster großer Trip soll nach Osteuropa gehen oder noch weiter bis nach Zentralasien oder noch weiter...

4 Kommentare

  1. Marianna   •  

    Hui, beim Thema „false friends“ habe ich auch schon hier und da daneben gelangt. Ein deutscher Beamer ist im englischen z.B. eher ein „projector“, während ein „beamer“ im englischen ein BMW ist.
    Zum Thema Steak: Super ist auch, wenn man sein Steak gerne blutig haben möchte und ein „bloody steak“ bestellt (= gottverdammtes Steak). Hier wäre „rare steak“ die bessere Wahl.

  2. Thomas   •  

    Danke für die Teilnahme an der Blogparade, Jörg.

    Solche sprachlichen Mißverständnisse sind uns am Anfang auf unseren USA-Reisen auch passiert. Ich sag nur, ich wäre gerne ein Steak! *flöt*

    LG Thomas

  3. pinkbigmac   •  

    … hätte da noch einen Klassiker … „coger un taxi“ (ein Taxi nehmen) … damit hätte man in Spanien keine Probleme …

    in Südamerika hingegen wird das Verb „coger“ auch als Synonym für das beliebte F-Wort verwendet – „F*** a taxi“ … insofern man die Lacher nicht auf seiner Seite haben möchte greift man also beispielsweise lieber zu „tomar un taxi“

    Grüße aus Barcelona

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