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Ozeanien

Zu Gast bei drei neuseeländischen Farmer-Familien

Nach meinem Roadtrip mit einem Münchner Kumpel habe ich mich direkt mit Steffi, einer Freundin aus meiner Heimatstadt in Niederbayern, getroffen, die zur selben Zeit wie ich in Neuseeland unterwegs ist. Unser Plan ist es, gemeinsam auf die Südinsel überzuschiffen und uns dort Arbeit zu suchen. Da sie bereits zwei Monate länger hier ist als ich und durch ihre offene Art bereits sehr viele Einheimische kennengelernt hat, hatten wir auf unseren Weg nach Wellington (wo die Fähre weggeht) schon zwei Stationen bei neuseeländischen Farmer-Familien, die sie und damit auch mich eingeladen haben.

Mission Curiosity – Aufgabe 10 – Gastfreundschaft in Neuseeland

Würste grillen in Waikato

Neuseeländisches Barbecue ohne Grill
Neuseeländisches Barbecue ohne Grill

Als erstes waren wir bei Jacks Familie zum Barbecue in Otorohanga nahe der Waitomo Caves eingeladen. Genauer gesagt holte ich Steffi dort ab, die dort schon einige Tage vorher verbracht hatte. Als Stärkung für unsere lange Fahrt Richtung Süden bekamen wir eben ein barbie, wie es die Kiwis nennen, und das auch noch glutenfrei (viele Neuseeländer haben bestimmte Nahrungs-Unverträglichkeiten). Mitten in der Natur, umgeben von Feldern mit etlichen Kühen, saßen wir auf der Terrasse und genossen den farmeigenen Mais (sweet corn) mit Butter und Salz, gemischten Salat und leckere Grillwürste aus glücklichen Kühen, die unter anderem auf den Feldern von Jacks Vater grasen. Dabei erzählte uns Jack diverse Geschichten seiner eigenen Work & Travel-Vergangenheit in Kanada, wo er unter anderem als Totengräber angestellt war. Na Mahlzeit 😉 !

Ist unser Backpacker-Mobil Camping-tauglich?
Ist unser Backpacker-Mobil Camping-tauglich?

Nach dem Essen checkten wir gemeinsam mein Backpacker-Mobil auf Betriebsamkeit und Ausstattung. Es stellte sich heraus, dass Jack ein leidenschaftlicher Camper ist, weswegen er uns tausende Tipps und sogar ein bisschen zusätzliches Equipment mit auf den Weg gab. Er gab mir sogar einen 5-Minuten-Crashkurs im Angeln (aber nur als Trockenübung), obwohl ich nicht einmal wirklich vorhabe, mir mein Essen selbst zu fangen 😉 .

Schafe scheuchen in Wanganui

Nach einer herzlichen Verabschiedung fuhren wir fünf Stunden nach Woodville bei Palmerston North, wo wir bei Pat und seinem Vater Derek, den Steffi bei einem Kurztrip nach Coromandel kennengelernt hatte, übernachten konnten. Die beiden wohnen in einem Haus auf einem Hügel, von dem man meilenweit über die hügelige und mit unendlich vielen Schafen gespickte Landschaft blicken kann. Als erstes bekamen wir ein Bier in die Hand, danach wurde uns ein Essen zubereitet und zum Schluss die durchaus sehr gemütlichen Sofas zum Schlafen angeboten. Soviel Gastfreundschaft habe ich gegenüber einem Fremden ehrlich gesagt nicht erwartet.

Gigantische Aussicht vom Haus auf der Schaffarm nahe Woodville
Gigantische Aussicht vom Haus auf der Schaffarm nahe Woodville

Da konnte man dann auch über die anderen, etwas negativeren Dinge hinweg sehen, zum Beispiel dass sich Pat mit einer Flasche Whiskey die Kante gegeben hat, während er immer mal wieder rausging, um einen Joint zu rauchen. Oder dass die ganze Bude ziemlich messy war, wie man auf Englisch sagt – aber ist ja schließlich ein Männerhaushalt 😉 . Die Katze durfte auch auf dem Tisch essen, was zusätzlich etwas gewöhnungsbedürftig war, aber alles in allem waren diese Besonderheiten sehr verrückt und lustig.

Hört nur auf Pfiff: Neuseeländischer Schäferhund
Hört nur auf Pfiff: Neuseeländischer Schäferhund
Schafe in der Falle – umgeben von Hunden und uns
Schafe in der Falle – umgeben von Hunden und uns

Das schönste bei unserem zweitägigen Besuch auf der Schaffarm war, dass Pat uns auf seinem Quad mit zur Arbeit nahm. Wir sahen ihm zu, wie er eine Horde Schafe mit der Hilfe zweier Schäferhunde von einem Feld auf das nächste durch kleine Tore im Zaun getrieben hat. Durch Pfeifen befiehlt er den Hunden, entweder nach rechts oder links zu rennen und so die Schafe zu treiben, oder kurz sitzen zu bleiben, bis der andere Hund in Position war. Für diese drei Befehle braucht jeder Hund schon einmal drei verschiedene Pfeiftöne. Da Pat insgesamt sieben Hunde hat, muss er also über 20 verschiedene Pfiffe hervorbringen können, damit die Hunde auch jeweils wissen, welcher genau gemeint ist. Ganz schön kompliziert, die Arbeit eines Schäfers 😉 !

Runden drehen durch Wellingtons Vororte

Camping im Backpacker-Mobil nahe Wellington
Camping im Backpacker-Mobil nahe Wellington

Wir gaben uns noch zwei Nächte nach unserer Hirten-Erfahrung, bevor wir auf die Fähre wollten. Der ursprüngliche Plan war, in der ersten Nacht auf der Matratze im Auto auf einem Campingplatz nahe der Hauptstadt zu schlafen und in der zweiten Nacht in Wellington selbst, um so pünktlich um 7:30 Uhr morgens an der Fähranlegestelle zu sein.

Wanderung am Orongorongo River
Wanderung am Orongorongo River

50 Prozent des Plans gingen auf, der Campingplatz im Catchpool Valley war wunderschön, wir unternahmen eine tolle Wanderung durch die dichten Wälder in der Region und grillten uns abends ein geiles Steak-Sandwich. Die Nacht war dann auch tatsächlich erholsam und bequem, obwohl im Auto nicht besonders viel Platz war. Wir ließen uns allerdings ein bisschen Zeit beim Einschlafen und betrachteten bei tiefsinnigen Gesprächen den atemberaubenden Sternenhimmel durch das Schiebedach 🙂 .

So eine Aussicht hätte ich daheim auch gerne!
So eine Aussicht hätte ich daheim auch gerne!

Am nächsten Morgen beim Frühstück fragte uns dann eine etwas üppigere Neuseeländerin, ob wir ein paar Eier möchten, da sie diese nicht mehr brauchten – ihr Camping-Urlaub war nämlich schon vorbei. Wir nahmen sie natürlich freudig an und kamen ins Gespräch. Nach fünf Minuten hatten wir die nächste Einladung zum Übernachten! Praktischerweise wohnt Sharmaine, so ihr Name, mit ihrem John, der bereits schon wieder auf der Farm arbeitete, in Titahi Bay, das ein Vorort von Wellington und nur eine halbe Stunde von der Fähre entfernt liegt.

Was schätzt ihr wie viele das sind?!
Was schätzt ihr wie viele das sind?!

Und so saßen wir abends in dem wunderschönen Häuschen der beiden, das auf beiden Seiten beeindruckende Blicke auf die Bucht und das offene Meer bietet. Wir bekamen leckeres Tui-Bier (John sammelt die Deckel, siehe Bild), Spaghetti Bolognese und ein bequemes Bett, das sicherlich bequemer war, als ein Dorm-Bett in einem Hostel, wo wir eigentlich vorhatten zu schlafen. Zu allem Überfluss machten die beiden mit uns noch eine 60-minütige Rundfahrt durch die Vororte und zu tollen Aussichtspunkten, während der uns John und Sharmaine ein bisschen von ihrer Arbeit erzählten. Zum Frühstück gab es dann – wie von Steffi gewünscht – Porridge mit frischen Früchten, sodass wir gestärkt die dreistündige Überfahrt antreten konnten.

Tui-Bier und Spaghetti Bolognese: Top-Gastgeber!
Tui-Bier und Spaghetti Bolognese: Top-Gastgeber!

Nach diesen paar Tagen und Nächten muss ich zugeben, dass ich noch kein gastfreundlicheres Völkchen als die Kiwis erlebt habe. Hier fühlt man sich egal wo man hinkommt sofort wohl und fast wie zu Hause.

Von Stephan Braun

Stephan aus München war unser Entdecker 2014/2015. Seine Weltreise führte ihn nach Südafrika, Australien, Neuseeland und Vietnam. In seinem eigentlichen Leben ist er Grafikdesigner und liebt es in seiner Freizeit seinen Hobbys nachzugehen: Freunde treffen, ins Kino gehen, kochen, wandern, Rad fahren, fotografieren und natürlich reisen. Er hatte fast acht Monate Zeit, um für uns die letzten Geheimnisse der Welt zu lüften.

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