Erfahrungsbericht: High School Costa Rica

Unsere Teilnehmerin Marie hat ein Jahr an einer öffentlichen High School in Costa Rica verbracht. Dabei wurde nicht nur ihr Traum einer großen Gastfamilie wahr, sondern ebenso ihre erhoffte Mitgliedschaft in einer Fußballmannschaft – mit der sie schließlich sogar die Meisterschaft gewann! Lest hier von ihren Erfahrungen beim Schüleraustausch in Costa Rica: 

Einleben

Schule ist in Costa Rica ganz anders als in Deutschland. Das fängt schon bei den ganz offensichtlichen Sachen wie der Schuluniform an, die jeder Schüler tragen muss. Ich hatte in meinem ersten halben Jahr die ganz normale Uniform meiner Schule. In der zweiten Hälfte, da ein neues Schuljahr begonnen hatte und ich in den Abschlussjahrgang gekommen bin, bekam unser Jahrgang eine neue Uniform. Es ist in Costa Rica sehr üblich, dass der letzte Jahrgang eine eigene Uniform hat. Die Schule startet morgens um sieben. Die Schüler kommen entweder zu Fuß oder mit dem Bus. Schluss war dann nachmittags um 16.10 Uhr.

Es dauerte eine Weile, bis ich mich an den doch sehr langen Schultag gewöhnt hatte. Auch im Allgemeinen mochte ich die Schule dort am Anfang nicht besonders. Ich war super zufrieden mit allem und von Anfang an total verliebt in das Land, aber die Schule fand ich eher so mittelmäßig. Ich war zwar ganz gerne dort, aber dadurch, dass ich die Sprache noch nicht gut konnte, war es relativ anstrengend für mich. Die Stunden zogen sich sehr lange hin und ich war andauernd kaputt und müde. Doch das änderte sich nach ca. 3 Monaten und ich fing an, die Schule zu lieben.

Schulalltag

In Deutschland bin ich noch nie so gerne zur Schule gegangen. Doch in Costa Rica war ich sogar froh, wenn wieder Montag war, damit die Schulwoche losgehen konnte. Man trifft dort einfach alle seine Freunde und hat immer total viel Spaß. Der Unterricht ist nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Aber gerade deswegen konnte ich auch in den Stunden mit meinen Freunden zusammen sitzen und einfach reden. Auch mal mit den Freunden für 20 Min. aus dem Raum zu verschwinden, war kein Problem. Generell sind dort einfach alle so freundlich und jeder kann mit jedem was machen. Keiner guckt dich blöd an, wenn du dich einfach zu einer anderen Gruppe dazustellst. Deshalb ist es wirklich so, dass man nicht einfach nebeneinanderher lebt, sondern dass der Jahrgang wie eine große Familie ist.

Jetzt aber nochmal zur Schule an sich. Die Schulen in Costa Rica bestehen meistens einfach aus mehreren aneinander gereihten Räumen, so etwa 5 bis 6 waren es bei uns, die dann einzelne Reihen bildeten. Wir hatten 4 Reihen und zwischen diesen Reihen waren quasi die Gänge. Diese waren auch überdacht für den Fall, dass es regnet. Aber generell war die Schule unter freiem Himmel, was ich auch unglaublich mochte.Die Fächer, die in Costa Rica unterrichtet werden, sind fast die gleichen wie in Deutschland. Noch ein Vorteil: Es gibt so gut wie nie Hausaufgaben; nur manchmal eine kleine Übung. Das war schon sehr entspannt. Die Lehrer sind mega nett. Man spricht sie alle beim Vornamen an und hat ein eher freundschaftliches Verhältnis zu ihnen. Insgesamt bin ich echt dafür, dieses Schulsystem hier in Deutschland einzuführen.

Gastfamilie

Meine Gastfamilie war, genau wie ich es mir gewünscht habe, sehr groß. Ich habe drei Schwestern im Alter von 18,17 und 4 Jahren und einen Bruder, der 13 Jahre alt ist. Meine Eltern sind sehr jung. Meine Mama ist 37 und mein Papa 40 Jahre alt. Beide haben jeweils 7 Geschwister, die fast alle auch schon Familie und Kinder haben. Also ist auch die weitere Familie recht groß. Ich wurde von Allen von Anfang an herzlich aufgenommen und gemeinsame Unternehmungen haben immer sehr viel Spaß gemacht. Ich finde so große Familien sehr schön, da man immer wen hat, wenn gerade mal was ist und vor allem bei den Ticos ist wirklich immer viel los.

Futsal

Bevor ich nach Costa Rica gegangen bin, hab ich mir immer nur gewünscht, dort irgendwo einfach Fußball spielen zu können. Denn ein Jahr ohne Fußball wäre für mich unmöglich gewesen. Als ich ca. einen Monat in Costa Rica war, bin ich durch einen Zufall zu der Mädchen Futsalmannschaft gekommen. Futsal ist eine Art Hallenfußball, jedoch mit einem anderen Ball und auch etwas anderen Regeln. Das ermöglicht ein sehr viel schnelleres und technisch anspruchsvolleres Spiel. Ich wurde bereits beim ersten Training quasi dazu verpflichtet, meinen Rückflug im nächsten Jahr umzubuchen, um an der nationalen Meisterschaft teilnehmen zu können. Letztendlich ist es auch genau so gekommen.

Dazwischen lagen aber etliche Trainingseinheiten, 3x Woche und jedes Mal 45 Min. Einlaufen am Berg. Das war schon echt krass, vor allem am Ende, als es nur noch um die Vorbereitung für die nationale Meisterschaft ging. Als wir dann die Qualifikationsphase geschafft hatten, ging es für uns für 1 Woche nach San José, wo die diesjährigen Spiele stattfanden. Gleich zu Beginn hat man gemerkt, dass das etwas total Besonderes war. Die nationale Meisterschaft ist nicht ausschließlich ein Futsal-Turnier. Zeitgleich trugen dort Basketballer, Volleyballer, Handballer, Schwimmer, Leichtathleten, Skater und viele mehr ihre Turniere aus. Es war also wie eine richtige Olympiade. Das Fernsehen hat immer berichtet, es gab eine Einschwörung zu Beginn und selbst ein Feuer wurde bei der großen Eröffnungsveranstaltung entzündet.

 

Wir haben es dann tatsächlich geschafft und nach 6 Spielen an 6 Tagen die Meisterschaft gewonnen. Es war eine der unbeschreiblichsten Erfahrungen meines Lebens. Das erste Mal nach 16 Jahren konnte meine Mannschaft das Turnier gewinnen. Dass sich all unsere Bemühungen so gelohnt hatten, war einfach super. Mädchenfußball wird in Costa Rica überhaupt nicht belächelt, sondern sehr ernst genommen und auch total unterstützt. Gefühlt nahm unsere halbe Stadt die zweistündige Autofahrt auf sich, nur um uns zu unterstützen. Auch die Atmosphäre in der Halle war unbeschreiblich. Wenn man ein Tor geschossen hat, fühlte man sich, als ob man in einem richtigen Stadion war.

So ist das aber generell in Costa Rica. Auch die, die mit Fußball sonst nicht so viel am Hut haben, kommen, wenn das örtliche Team spielt, machen Stimmung und unterstützen total. Dazu gehört auch, dass man mal gegen die Gegner pöbelt. Aber das ist auch alles kein Problem, denn anders herum wird das ja auch genau so gemacht. Auch vor dem Spiel wird untereinander Stimmung gemacht, indem gesungen und getanzt wird. Dabei pusht man sich total hoch und motiviert sich gegenseitig. So ist das einfach in Costa Rica. Ich kenne jetzt bestimmt 100 Schlachtrufe auswendig.

Abschied nehmen

Nicht nur die Erfahrungen beim Finale, sondern generell die Zeit, die ich mit meinen Futsal-Mädels verbracht habe, war der Hammer und ich vermisse sie alle sehr. Ohne sie wäre mein Auslandsjahr sicherlich nicht so unvergesslich geworden, wie es schlussendlich war.

An meinem letzten Schultag waren alle total lieb, haben mir Geschenke gegeben und auf meiner Flagge unterschrieben. Es wurden unzählige Fotos gemacht und ich habe mich von meinen ganzen Lehrern und dem Personal verabschiedet. Es war ein toller letzter Tag, wenn auch sehr traurig. An diesem Abend hat mir meine Fußballmannschaft noch eine Feier gemacht. Auch das war wie immer richtig toll. Als sie mir am Ende noch ein Video, das sie extra für mich gemacht haben, gezeigt haben, hab ich natürlich wieder geflennt wie sonst was. Es ist einfach so ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass man den Leuten dort wirklich etwas bedeutet.

 

Ich habe noch tausende Nachrichten bekommen von all meinen Freunden und Verwandten und bekomme auch bis heute noch viele, die sagen, dass ich doch bitte sofort zurückkommen soll. Sowas ist echt toll zu hören. Ich weiß, dass ich in dieser kurzen Zeit in Costa Rica Freunde für´s Leben gefunden habe und schätze das sehr.

Ich habe immer wieder gehört, dass man nach einiger Zeit kein „Heimweh“ mehr haben wird. Es stimmt – es ist etwas weniger geworden, aber es ist auch nach über 4 Monaten in Deutschland immer noch sehr stark. Ein Auslandsjahr ist halt schon eine sehr große Erfahrung, an die man für immer denken wird.


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Dieser Artikel ist Teil der Reihe „TravelWorks loves Costa Rica“.

Steffi Stadon

Steffi ist als Redakteurin bei TravelWorks unterwegs. Als Backpacker in Australien hat sie in doppelter Hinsicht Feuer gefangen - nicht nur für die Landschaft sondern auch für einen Aussie. Gemeinsam pendeln sie zwischen Europa und Ozeanien hin und her. Der Rest der Welt kommt aber nicht zu kurz für Entdeckungen. Über den großen Teich soll es als nächstes gehen.

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