Skydiving aus 4.000 Metern Höhe in Ashburton, Neuseeland

Mit 200 Sachen Richtung Erde

Mission Curiosity – Aufgabe 15 – Action in Ashburton

Nach meinem Action-Ausflug nach Hanmer Springs Anfang März und meinem ersten Sprung in die Tiefe (35-Meter-Bungy-Jump) wollte ich mir nun noch einmal einen Adrenalin-Kick gönnen – wohl einen der größten, den man sich nur vorstellen kann. Mein nächster Sprung (diesmal ein Fallschirmsprung) war aus einer 100 Mal größeren Höhe, nämlich von 12.000 Fuß, was ungefähr 4.000 Metern entspricht.

Die Entscheidung

Aber von Anfang an: Ich habe mir vorgenommen, in Neuseeland, der Geburtsstätte des Bungy-Jumps, mindestens einen solchen zu absolvieren. Und ich schwor mir, falls ich diese erste Mutprobe körperlich und mental überlebte (was zum Glück so passiert ist 😉 ), sogar einen Fallschirmsprung zu wagen. Da sich meine Zeit in Neuseeland langsam dem Ende zuneigt, habe ich mich erkundigt, wo man das hier in Canterbury machen kann. Und siehe da, in der nächstgrößeren Stadt bei Methven: Ashburton! Wenn das kein Zeichen ist!

Also fuhr ich die 30 Kilometer an einem Montagnachmittag, nachdem ich schon sieben Stunden Fenster geputzt hatte, nach Ashburton und fragte mich jede Sekunde der Fahrt, was nur in mich gefahren ist. Übermüdet, nervös und erschöpft kam ich am Sport-Flughafen an und merkte beim Aussteigen aus dem Auto, wie meine Knie leicht das zittern anfingen. Jetzt war es zu spät! Wenn nicht jetzt, wann dann? dachte ich mir nur…

Also schritt ich mit meinem letzten Mut in den Hangar der Fallschirmspringer und wurde sofort nett von allen empfangen, sodass ich meine Angst erstmal vergaß. Ich wäre heute der einzige, haben sie nur gemeint. Oh Mann! – ich musste auch noch alles ganz alleine durchstehen. Aber nach einer kurzen Einführung, wie alles ablaufen würde, meiner zurückhaltenden Entscheidung, den hier höchstmöglichen Sprung zu absolvieren (wenn schon, denn schon!) und einem Blick auf das Kleinflugzeug, das dem meines AusFLUGs nach Rangiora ziemlich glich, ging es mir schon besser – denn jetzt gab es wirklich kein Zurück mehr.

Der Flug

Die Nervosität steigt, genau wie das Flugzeug

Die Nervosität stieg an, genau wie das Flugzeug

Ich stieg also mit meinem Tandempartner Chris und zwei weiteren Springern, die auch skydiving instructors werden wollten, in das winzige Flugzeug ein und war erstmal perplex, dass ich noch immer nicht mit Chris durch unser Gurtzeug verbunden war. Wird schon alles noch passieren, keine Sorge… Und dann ging es auf das Startfeld. Nach etwa zehn Minuten Anstieg und einer wunderbaren Aussicht bei perfektem Wetter auf die Canterbury Plains und den Südpazifik hat er uns endlich zusammen geschnallt. Doch das hat meine Nervosität nicht erleichtert, sondern im Gegenteil sogar verschlimmert, da ich wusste, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte.

Das nervöseste Lächeln meines Lebens!

Das nervöseste Lächeln meines Lebens!

Und dann war es soweit: Die beiden Springer öffneten die Tür, hangelten sich an den Rand und sprangen hinaus, ohne lange zu überlegen. Mir wurde schlecht. Chris drückte mich von hinten an den Rand, ich formte eine Banane mit meinem Körper, wie er es mir vorher beigebracht hatte und legte meine Arme überkreuz über meine Brust. Mein Kopf lag auf seiner Schulter und ich konnte nur nach oben schauen, was vielleicht ganz hilfreich war, wer weiß, ob ich sonst zum Weinen angefangen hätte, wenn ich in die Tiefe hätte schauen müssen 😉 .

Der Sprung

Mit 200 Sachen Richtung Erde

Mit 200 Sachen Richtung Erde

Unter uns nur die Canterbury Plains

Unter uns nur die Canterbury Plains

Und plötzlich waren wir draußen, nur umgeben von Luft, und es ging mit 200 Stundenkilometern Richtung Erde. Ich schrie mir die Kehle aus dem Leib (im Video zum Glück nicht zu hören), mein Mund war innerhalb kürzester Zeit staubtrocken. Aber es war gigantisch! Die Aussicht, der freie Fall, das Adrenalin – alles fühlte sich so an, als wäre man nie lebendiger gewesen. Ich hoffte, dieses Gefühl der Lebendigkeit auch noch fünf Minuten später am Boden erfahren zu können 😉 .

Pinker Fallschirm, na toll!

Pinker Fallschirm, na toll!

Nach 50 Sekunden freiem Fall, die sich viel kürzer anfühlten, öffnete Chris ohne Vorwarnung den Fallschirm (der übrigens bei meinem Glück pink war 😉 ) und wir glitten einige Minuten dahin. Die kleinen Stunts und Kurven, die er dann noch als Zugabe machte, kamen zwar dem Kick des freefalls nicht gleich, machten den paraglide aber dann noch etwas actionreicher.

Die Landung

Kurz nach dem Freefall: Der Paraglide zum Boden

Kurz nach dem Freefall: Der Paraglide zum Boden

Die Arschlandung war dann eher hart als weich, wenigstens trafen wir perfekt den Zielpunkt auf einer Wiese. Ich war wieder sicher auf dem Boden. Unglaublich! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jemals wieder wagen werde. Wenn man sich allerdings einmal überwunden hat, erlebt man eine der krassesten Erfahrungen, die man sich nur vorstellen kann.

Stephan Braun

Stephan aus München war unser Entdecker 2014/2015. Seine Weltreise führte ihn nach Südafrika, Australien, Neuseeland und Vietnam. In seinem eigentlichen Leben ist er Grafikdesigner und liebt es in seiner Freizeit seinen Hobbys nachzugehen: Freunde treffen, ins Kino gehen, kochen, wandern, Rad fahren, fotografieren und natürlich reisen. Er hatte fast acht Monate Zeit, um für uns die letzten Geheimnisse der Welt zu lüften.

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