Viva la Pura Vida

Während wir morgens in unserem Federbett aufwachen, einen Morgenmantel anziehen und uns als erstes einen Kaffee oder eine Tasse Tee aus der Küche holen, wacht der Tico auf seiner Matratze neben seiner Familie auf und freut sich, dass es nicht geregnet hat und das Bett nicht völlig durchnässt ist. Trotzdem wird dir ein Costa Ricaner (von sich selber Tico genannt) immer mit einem eindeutigen JA antworten, auf die Frage, ob er glücklich sei. Während der Deutsche wahrscheinlich anfangen würde, irgendetwas Ausweichendes vor sich hin zu murmeln und über den bereits kalten Kaffee zu meckern.

Natürlich sieht weder das Leben eines Deutschen genauso aus, noch das eines Costa Ricaners. Trotzdem kann niemand abstreiten, dass das Leben in Costa Rica, mit unserem Lebensstandard verglichen, deutlich schwerer ist und der Tico dabei aber trotzdem deutlich glücklicher. Woran liegt das? Wo können wir uns von den Ticos vielleicht mal eine Scheibe abschneiden?

Der Happy Planet Index

2016 erreichte Costa Rica bereits zum dritten Mal den ersten Platz beim Happy Planet Index. Wir haben uns angeschaut, was Costa Rica so besonders macht, warum die Menschen so glücklich sind und was überhaupt dieser Happy Planet Index ist.

Der Happy Planet Index wurde von dem britischen Unternehmen „New Economics Foundation“ ins Leben gerufen. Jahrzehntelang gab es ausschließlich Statistiken, die sich damit beschäftigt haben, wie wirtschaftlich ein Land ist und wie viel Geld es hat. Aber ist das wirklich das, was zählt? Schon John F. Kennedy sagte, dass das Bruttoinlandsprodukt alles bewertet, außer das, was das Leben lebenswert macht. Also setzten sich die Macher des Happy Planet Index zusammen, um eine neue Vision, eine neue Betrachtung für die Zukunft zu finden, die nicht alles apokalyptisch darstellt. Bei dem Happy Planet Index geht es um soziale Gerechtigkeit, um das Gesamtwohl der Bevölkerung, kurz: um die Menschen eines Landes und nicht um ihre Wirtschaft.

Dabei  spielen folgende Indikatoren die zentrale Rolle: Zufriedenheit, Lebenserwartung, Wohlstandsverteilung und der ökologische Fußabdruck. Es wird gemessen, wie effizient ein Land im Bezug auf das Wohlbefinden seiner Bevölkerung ist und wie viele Ressourcen es dafür benötigt. Das Ziel ist es, den ökologischen Fußabdruck zu verringern und das Glück des Landes zu vermehren. Es geht darum, welche Bevölkerung es schafft, ein gutes und glückliches Leben zu führen, ohne dabei unseren Planeten zu zerstören. Dazu hat die New Economics Foundation folgende Gleichung aufgestellt:

Die Gleichung, mit der der Happy Planet Index berechnet wird (Quelle: happyplanetindex.org)

 

Happy Planet Index = (Zufriedenheit x Lebenserwartung x Wohlstandsverteilung) / ökologischer Fußabdruck

Aber genug von den Fakten hinter der Story. Falls ihr nun genauso gefesselt von dem Thema seid, guckt euch doch mal die Rede von Nic Marks an, der Mitgründers des Happy Planet Index.

Das Costa Ricanische Rezept zum Glücklichsein

Costa Rica führte bereits drei Mal das Ranking des Happy Planet Index an (2009, 2012 und 2016) – irgendetwas müssen die Costa Ricaner also richtig machen. Schauen wir uns das doch mal gemeinsam an:

Bildung statt Militär

Costa Rica ist das einzige Land der Welt, das keine Armee hat. Das Militär wurde schon 1949 abgeschafft. Aber das Beste daran: Die daraus gewonnenen Gelder werden in die gute Bildung, das Gesundheitssystem und in die Rente gesteckt. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 97,8%, mehr geht kaum!

Lateinamerikas älteste Demokratie

Costa Rica hat natürlich bei weitem keine so gute Wirtschaft wie wir in Deutschland, aber sie ist stabil und wie in Punkt 1 erwähnt, werden Staatsgelder in das Wohlergehen der Menschen investiert. Daher hat Costa Rica entgegen zu manch anderen lateinamerikanischen Ländern ein funktionierendes Sozialsystem. Übrigens ist hier auch die älteste Demokratie Lateinamerikas zu finden!

Nachhaltigkeit

Der ökologische Fußabdruck schneidet deutlich besser als bei sämtlichen westlichen Ländern ab. So ist dieser nur in etwa ein Drittel so groß wie der der USA. 2015 wurden 99% der Elektrizität aus nachhaltigen Ressourcen gewonnen. Zu verdanken ist das den verantwortungsvollen Umweltgesetzen. Ein wichtiger Punkt, warum Costa Rica bei dem Happy Planet Index so gut abschneidet. Dennoch ist hier definitiv noch viel Potential nach oben. Die Regierung hat sich bereits als Ziel gesetzt, bis 2021 CO2-neutral zu sein.

Tranquillo, Tranquillo!

Ganz wichtig ist außerdem die mentale Einstellung der Ticos. Die relaxte und entspannte „Tranquillo-Mentalität“ prägt die Charaktere der Bevölkerung. Außerdem ist alles Materielle eher zweitrangig für sie. Während in den westlichen Ländern viele Menschen nur für ihren Job leben, arbeiten die Menschen in Costa Rica um zu überleben und machen ihre Arbeit nicht zum Lebensinhalt. Viel wichtiger ist ihnen ihr soziales Umfeld. Sie haben nicht nur ein gutes Verhältnis zu ihrer engeren Familie, sondern zählen auch Freunde und Nachbarn zu ihrem Familienkreis. Während in den westlichen Ländern die meisten Menschen nur zu wenigen Mitmenschen wirklich intensive Beziehungen pflegen, leben die Ticos generell intensiver miteinander und fühlen sich wie eine große Familie.

Die untergehende Sonne im traumhaft schönen Costa Rica.

Sonne ohne Ende

Das Klima in Costa Rica ist tropisch, dementsprechend scheint die Sonne im Vergleich zu Deutschland viel mehr. Und wie wir alle wissen, ist Vitamin D nicht nur für die physische Gesundheit gut, sondern auch für die mentale – Sonne macht einfach glücklich. Der Mangel von Vitamin D kann übrigens zu Depressionen, Osteoporosis und Herzkrankheiten führen. Kein Wunder, dass es den Ticos so gut geht!

Aktiv und fit

In Costa Rica arbeiten die meisten Menschen körperlich. Das ist natürlich einerseits anstrengend, andererseits bewegen sie sich dadurch automatisch viel und sind aktiv. Auch im hohen Alter bleiben sie also fit – die Lebenserwartung liegt bei 79 Jahren. Bei körperlicher Aktivität werden wiederum Glückshormone ausgeschüttet.

Pura Vida!

Und das aller allerwichtigste, das A und O in Costa Rica: „Pura Vida“! Diese zwei Wörter wirst du bei jeder Gelegenheit in Costa Rica hören, egal ob zur Begrüßung oder zum Abschied. Dabei bedeuten sie nicht nur übersetzte das „reine“ oder „schöne Leben“, sondern die Bedeutung ist viel tiefgehender.  Es heißt „alles wird gut“, das Leben ist nicht perfekt und den Menschen fehlt es an vielen Dingen, aber sie haben ein glückliches und erfülltes Leben. Zuguterletzt ist es auch noch die Aufforderung „Genieß es!“.  „Pura Vida“ sind nicht einfach zwei belanglose Worte, sie spiegeln perfekt die Wesensart und den Lebensstil wieder.

 

Auf gehts – 1 , 2, 3 Glücklich!

Also was ist jetzt unser Plan fürs Glücklichsein? Erstmal einen Flug nach Costa Rica buchen, um vor Ort das Pura Vida zu leben. Falls die nächste große Reise noch in etwas weiterer Ferne liegt, bleibt uns nur übrig ein bisschen zu Tagträumen und die ein oder andere positive Gewohnheit mit in unseren Alltag aufzunehmen. Meckere nicht über den kalten Kaffee, sondern freu dich über den Luxus, den du hast! Ruf doch mal wieder deine Großeltern an oder klingle bei deinen Nachbarn! Bau jeden Tag ein bisschen Bewegung in deinen Alltag ein und wenn die Sonne scheint, lasse alles stehen und liegen und gehe raus! Freue dich an dem, was du hast und genieße es! Viva la Pura Vida!


Du möchtest dir am liebsten sofort eine Scheibe vom Glück abschneiden und zu den Ticos aufbrechen? Wie wäre es z.B. mit einem Schüleraustausch oder eine Sprachreise in Costa Rica? Alternativ bieten wir auch eine Erlebnisreise oder Freiwilligenarbeit vor Ort an – aktuell vergeben wir dafür sogar eines von drei Stipendien! Also geh noch heute einen weiteren Schritt Richtung Glück!

Dieser Artikel ist Teil der Reihe „TravelWorks loves Costa Rica“.

Svenja Günther

Svenja ist Auszubildende bei TravelWorks. Zurzeit darf sie in die Marketing-Abteilung reinschnuppern. Das Reisefieber packte sie zum ersten Mal bei ihrem Austausch in den USA während der Schulzeit. Nach dem Abi reiste sie dann mit ihrem Rucksack durch Neuseeland, Thailand und Kambodscha. Jetzt versucht sie jedes lange Wochenende und jeden Urlaubstag dazu zu nutzen, mehr von dieser schönen Welt zu sehen und träumt davon wieder etwas länger mit dem Rucksack unterwegs zu sein. Diesmal vielleicht Lateinamerika, Australien oder doch noch ein bisschen Südostasien?

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